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Auf ein Wort

Frühling

Für manche eine der schönsten Jahreszeiten überhaupt. Überall bricht Neues hervor. Die Kälte und das Grau des Winters müssen den Farben blühender Blumen und der Wärme der Sonne weichen. Neues Leben bricht durch, neue Hoffnung.

Vor etwas über 10 Jahren war von einem anderen Frühling die Rede: vom Arabischen Frühling. Verbunden war der Begriff mit der Hoffnung auf die Umkehr der Machtverhältnisse, Hoffnung auf Ablösung autoritärer Herrschafts­verhältnisse, Hoffnung auf die Ach­tung der Menschenrechte, Hoff­nung auf besseres Leben für die kleinen Leute.

Dieser Frühling entpuppte sich schnell als eine große Enttäu­schung. Nur sehr Weniges ist besser geworden, vieles ärger als zuvor.

Nach wenigen Monaten erreichte dieser „Frühling“ das Land Syrien und führte in einen Bürgerkrieg, der bis heute anhält. Nur einen knappen Monat bevor dieser Bürgerkrieg unvermittelt ausbrach, war ich als Tourist in Damaskus. Damaskus ist eine Stadt, die auch für das Chris­ten­tum bedeutsam ist und mindestens 50-mal in der Bibel erwähnt wird. Als erstes fällt mir dazu Paulus ein. Der Apostelgeschichte nach hat er in Damaskus seine Glaubenserfahrung gemacht und ist dramatisch über die Stadtmauer geflohen. An (vermeintlich) dieser Stelle steht nun eine kleine Paulus-Kapelle. Überhaupt hat mich vor 10 Jahren der Umgang mit dem Glau­ben in Syrien sehr beeindruckt. Anders als hier, wo der Glaube eher als „Privatsache“ behandelt wird, hielt dort keiner hinterm Berg damit, und das bei einer sehr großen religiösen Vielfalt.

Die Christen gehörten zwar zu einer Minderheit, aber das Zusammenleben zwischen den Religionen gehörte zum Alltag. Die Taxifahrer z. B. (und Taxis gab es in Damaskus so viele, dass sie sich auf den Straßen wie eine gelbe Perlenkette durch die Stadt zogen) hatten unter ihrer Windschutz­scheibe entweder einen Koran liegen oder ein Kreuz am Rückspiegel oder eben nichts oder ganz was anderes. Am deutlichsten wurde es nachts: Die Skyline war von grünen, weißen oder blauen Lichtern erhellt. Grün waren Moscheen, weiß die Krankenhäuser und blau die Kirchen. Wie selbstverständlich lebten alle zusammen und miteinander in dieser Stadt.

Lebten. Seit nun 10 Jahren ist es mit diesem Frieden vorbei. Minder­heiten werden verfolgt, heilige Stätten und Kulturgüter zerstört, Menschen umgebracht, auch auf Grund ihres Glaubens. Auch heute noch. 10 Jahre Bürgerkrieg – in unseren Nachrichten kaum noch eine Notiz – machen fassungslos.

Aber auch die Erkenntnis, wie fragil Frieden ist, erschüttert mich. Syrien scheint für uns weit weg – aber die Frage ist ganz nah: Wie gehen wir mit Minderheiten und Konflikten um? Wie machen wir uns bewusst, dass Frieden nicht selbstverständlich ist, und wie tragen wir zu seinem Erhalt bei?

Paulus mahnt in einem seiner Briefe: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ (Röm 12, 17f)

Johannes Rebsch


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