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Auf ein Wort

Suchet der Stadt Bestes!

Es ist immer noch eine gängige Meinung, dass Glaube und Religion eine reine Privatsache seien. Dabei können wir schon in der Schöp­fungs­geschichte lesen, dass Gott den Menschen in den Garten Eden gesetzt hat, damit er diesen „bebauen und bewahren“ solle. Das meint die private aber genauso auch öffentliche Aufgabe, mit der Welt sorgsam und verantwortungsvoll umzugehen. Und wie viel Aufrufe gibt es in der Bibel, für Frieden zu sorgen und sich um den Nächsten - also auch um das Gemeinwohl - zu kümmern. Die Vollversammlung des Weltkirchen­rates in Vancouver 1983 sprach von einer Verpflichtung auf „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.

Der Monatsspruch für Oktober aus dem Buch des Propheten Jeremia hält einen besonderen Moment der Weltverantwortung fest: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.“ (Jeremia 29,7)

Suchet der Stadt Bestes! Da fällt mir eine ganze Menge ein ... Setzt in den öffentlichen Verkehrs­mitteln den Mund-Nasen-Schutz auf. Räumt nach dem Picknick im Park den Müll weg. Sorgt dafür, dass die Radfahrerinnen und Radfahrer sicherer unterwegs sein können. Unterstützt alle, die sich um das Wohl der Stadt kümmern. Arbeitet ehrenamtlich mit. Versorgt die Armen und Obdachlosen. Wider­steht rassistischen und fremdenfeindlichen Äußerungen. Geht sorgfältig mit den städtischen Finanzen um. Und so weiter und so fort.

„Suchet der Stadt Bestes“ hat schon immer politische Relevanz gehabt. Es war zum Beispiel das Motto des ersten Friedensgebetes am 4. Oktober 1989 in Weimar. Und es gibt einen berühmten Satz des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, der eine ähnliche Stoß­richtung hat. Er sagte in seiner ersten Rede: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann - fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“

Allerdings dürfen wir den zweiten Teil des Jeremia-Verses nicht aus den Augen verlieren: „... und betet für sie zum Herrn“. Ich finde das entlastend. Denn wir werden es nicht schaffen, unsere Stadt in ein Paradies zu verwandeln. Unsere Möglichkeiten und Kräfte sind begrenzt. Aber wir können für unsere Stadt beten. Ja, beten! Das ist zum einen gut für uns selbst. Im Gebet dürfen wir unsere Schwäche und unser Versagen vor Gott legen und Gott auch mal unser Leid klagen. Zum andern bekommen wir im Gebet viel Kraft, um die nächsten Schritte zu gehen und weiter dran zu bleiben, der Stadt Bestes zu tun. Das Gebet für die Stadt - ob privat oder öffentlich im Gottes­dienst - erinnert uns an unsere Verantwortung für die Welt. Dabei sind wir nicht alleine, Gott steht uns bei. Deshalb gehören die Suche nach dem Besten und das Gebet für die Stadt immer zusammen!

Johannes Neukirch
Pastor in Ahlem


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