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Auf ein Wort

Ein Loch im Dach

Mitten in den Herbstferien – das geistliche Wort für den Weih­nachts-Gemeindebrief muss geschrieben werden. Aber vor mir liegt der Predigttext für morgen: Jesus predigt vor vollem Haus – und vier Männer wollen ihren gelähmten Freund zu Jesus bringen. Aber sie kommen in dem Gedränge nicht durch die Tür und so steigen sie aufs Dach, hacken ein Loch hinein und lassen ihren Freund zu Jesus hinunter. Der heilt ihn und diskutiert nebenbei mit den Schriftge­lehrten über Sündenvergebung. Nachzulesen im 2. Kapitel des Markus-Evangeliums.

Und plötzlich stelle ich mir die Schwiegermutter des Petrus vor, die in diesem Haus wohnt und der auffällt, was die anderen in ihrem Heilungsüberschwang gar nicht kümmert: Sie hat ein kaputtes Dach. Und zwar nicht nur einen kleinen eimerfähigen Riss, sondern ein ausgewachsenes Loch. Vielleicht sagt sie nichts, weil der Evangelist sie nicht zu Wort kommen lässt. Vielleicht, weil sie die fünf Männer kennt, vernünftige Jungs allesamt, die das schon wieder in Ordnung bringen werden. Vielleicht aber auch, weil es im Leben manchmal wichtigere Dinge gibt als ein unbeschädigtes Dach, zumindest im übertragenen Sinn.

Ein spannendes Bild für unsere Gesellschaft und unsere Kirche, wo wir viel Wert auf feste Strukturen und wasserdichte Regeln legen. Der Gelähmte braucht an Struktur nur Gottvertrauen, eine Trage, einige Seile und starke Arme. Und ein Loch im Dach. In einem Dach, das wichtig ist, heute aber im Weg liegt.

So sollten Strukturen und Regeln sein: stark genug, um Orien­tierung zu geben und Sicherheit – durchlässig genug, um spontane Hilfe zu ermöglichen. Tragfähig, aber nicht unzerstörbar. Und wie gut, dass es Menschen gibt, die ab und zu Löcher bohren …

So könnten wir doch durch diesen Winter kommen: Genau überlegen, wieviel wir wann heizen, wo wir Strom sparen können – und das dann immer wieder leichten Her­zens durchkreuzen, weil kurzfristige Hilfe notwendig ist. Ja, auch mir ist nicht wohl zumute, wenn ich an die kalte Jahreszeit denke. Aber dann höre ich und lese, was geplant wird – und das gibt mir Zuversicht.

Und wie gut, dass wir in dieser kalten Zeit Weihnachten feiern. Erzählen: Gott ist in diese Welt hineingeboren. Singen: „O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für!“. Keine Struktur ist so fest zementiert, dass Gott nicht durchkäme. Er braucht dafür: zwei Menschen, die sich lieben, einen Futtertrog und Windeln.

Eine gesegnete und stärkende Weihnachtszeit wünscht Ihr
Pastor Manuel Kronast


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© Christian Spengler, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der Martin-Luther-Kirche Ahlem

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