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Auf ein Wort

Plaudern wir mal ein bisschen

vielleicht über das Wetter. Mo­mentan, Ende Mai, ist es wechselnd bewölkt mit geringer Schauer­nei­gung und kühlem Wind aus Nord­west. Ob der Sommer auch so wird oder wieder warm und knochentrocken? Vielleicht gibt es aber auch Vordringlicheres zu bereden. Coro­na … Wird es eine zweite Welle geben? Wann und wie geht es weiter mit Kindergarten, Schule und Wirt­schaft? Wer wird daran sterben?

Die letzten Monate habe ich seltsam doppelbödig erlebt. Angst eher nur untergründig. Die maskierten Gesichter um mich herum haben mich irritiert und tun es noch, doch ich trage ja auch oft den Mund-Nase-Schutz. Ein bisschen habe ich mich daran gewöhnt. Aber bis heute liegt für mich ein leichter Hauch von Unwirklichkeit über der Szenerie.

Die Reihe „Statt Gottesdienst“ aufzunehmen war in dieser Zeit eine Freude, vor allem wegen der mitwirkenden MusikerIn­nen und der interessanten Bibel­übersetzungen - und weil ich nicht gleich „dazupredigen“ musste, wie man verstehen soll, was man gerade erst gehört hat. Das gehört für mich zum Guten im Schlechten.

Neues habe ich gelernt: Tele­fon- und Videokonferenzen - und dass die Kamera meines Laptops kaputt ist. Auch Worte wie Viruslast und R-Wert. Da mich aber die Seu­che weder arbeitslos machen wird noch mich sonst sehr eingeschränkt hat, ging es mir eigentlich ganz gut - weder musste ich nebenher Kin­der­garten und Schule ersetzen noch hocken im Pfarrhaus zu viele Men­schen aufeinander und können nicht weg. Ich bin in der Tat privilegiert …

Plaudern wir noch ein bisschen über das Wetter. Kommen wir dabei ruhig vom Hölzchen aufs Stöck­chen. Wie wird es diesen Som­mer geworden sein? Zu nass, zu trocken, zu heiß, zu kalt, zu schwül? Was werden die Borkenkäfer und die Waldbrände machen? Und die anderen Insekten? Und die Luft mit CO2 und NOX? Konnte man in die Ferien fahren? Sie werden es jetzt schon wissen.

Noch gar nicht gesprochen haben wir über das Klima. In letzter Zeit ist es etwas unter dem Radar meiner Aufmerksamkeit durchgerutscht. In den Nachrichten konnte man Ende Mai von einem Taifun mit ca. 80 offiziellen Toten in Bang­ladesch hören, genau zwei Tage lang. Und aus Chegato haben wir auch Nachrichten, nicht über das Klima, sondern über die Seuche. Ich nehme an, viele Menschen dort hätten gern unsere Sorgen.

Irgendwann wird es vermutlich Medikamente und Impfstoffe geben. Irgendwann werden die Pod­casts auslaufen und die Virologen werden wieder ein in ihre Labore zurückgezogenes, ruhigeres Be­rufsleben führen können. Wir alle werden dann tun, wonach so eine große Sehnsucht besteht: Endlich wieder leben wie vorher. Endlich wieder Normalität wird dann herrschen. Wer glaubt, die Pandemie berge ein Potential zum Umdenken, gar Umsteuern in sich, der irrt deshalb meiner Meinung nach. Schön wär’s natürlich und ich hätte gerne unrecht.

Und nun?

Die Wirtschaft brummt hoffentlich bald wieder dank staatlicher Un­terstützung. Alle, fast alle können wieder arbeiten wie bisher, Urlaub machen wie bisher, Auto­fahren wie bisher, fliegen und natürlich auch Bahn fahren oder Fahrrad.

Das Polareis und die Gletscher werden währenddessen weiter schmelzen; die Infektion der Atmosphäre durch Menschen wird nicht schnell genug abklingen. Die Beharrungskräfte des Bestehenden werden sich als stark erweisen, erstmal stärker als die Perspektiven von Frie­den, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

Nach der Sintflut verspricht Gott Noah und den Seinen: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Tag und Nacht, Sommer und Win­ter, Frost und Hitze, Saat und Ernte - und setzt seinen Regenbogen in die Wolken (Gen 8).

Ich erinnere mich an Zeiten, da klangen diese Worte beruhigender. Fast höre ich sie heute mit Weh­mut.

Trotzdem, und damit der Un­ken­ruf nicht zur Ursache seiner Er­fül­lung wird, müssen wir alles versuchen, dass es zum ökologischen Umbau unserer in die Sackgasse geratenen Zivilisation kommen kann. Noch ginge das. Noch …

Stefan Krause


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