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Auf ein Wort

Schwerter zu Pflugscharen

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ (Micha 4,3)

Schwerter zu Pflugscharen. Mit diesem Bild beschreibt der Prophet Micha das endzeitliche Friedens­reich. Ein Bild der Einheit, viele Völker von allen Enden der Erde gemeinsam auf dem Weg zum Lob Gottes. Ein Bild des Friedens. Land bestellen, statt annektieren.

Wer die 80er Jahre erlebt hat, hat bei diesem Vers sofort dieses Bild vor Augen, ohne dass es hier abgedruckt sein müsste: das Motiv der Friedensbewegung der DDR. Es zeigt eine Skulptur, die ein sowjetischer Künstler (in einer Stadt der heutigen Ukraine geboren) zu diesem Vers für die UNO angefertigt hat. Und dort steht sie nun, im Garten der Vereinten Nationen. Damals ein Bekenntnis der Sowjet­union zur UN-Charta. Ihr erster Satz: „Die Vereinten Nationen setzen sich folgende Ziele: 1. den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren […], An­griffshandlungen und andere Friedensbrüche zu unterdrücken und internationale Streitigkeiten oder Situationen, die zu einem Friedensbruch führen könnten, durch friedliche Mittel nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechts zu bereinigen oder beizulegen.“

Statt abzurüsten, wird nun aufgerüstet. Nicht nur dort, sondern auch hier, bei uns. Wir sind nicht erst jetzt unter die Waffenschmiede gegangen, aber nun doch in unvorstellbarem Maß. Wir machen Pflugscharen zu Schwertern. Auch das ist ein Bild aus der Bibel. Ein anderer Prophet: Joel. Er legt Gott den Befehl in den Mund: „Macht aus euren Pflugscharen Schwerter und aus euren Sicheln Spieße!“ Gott spricht allerdings nicht mit den „Guten“. Es ist nicht sein Volk, sondern es sind die Feinde, die aufrüsten. Diejenigen, die mit ihren selbstgeschmiedeten Waffen letztlich ins eigene Verderben rennen.

In der Friedensbewegung der DDR wurden nicht Waffen geschmiedet, sondern Aufnäher gedruckt. Und als sie verboten wurden, standen ausgeschnittene Aufnäher auf der Kleidung für dieselbe Botschaft.

Der Krieg in der Ukraine stellt uns als Angriffskrieg vor Heraus­forderungen, die nicht mit der DDR vergleichbar sind und uns in ein Dilemma bringen: Wie geht man mit denen um, die sich nicht um internationale Vereinbarungen scheren? Mit denen, die wortbrüchig sind? Kann den Gewalttätigen nur mit Gewalt begegnet werden? Alle diese Fragen konzentrieren sich gerade in der einen: Waffenliefer­un­gen, ja oder nein?

Und in der Frage schwingt leise die Klage, dass wir in der Zwangs­lage sind, uns mitschuldig zu machen, dass dieser Konflikt uns zu Waffenschmieden macht. Doch zu Unrecht – das waren wir vorher schon. Es ist genau andersherum: Weil wir zu den größten Waffen­schmieden dieser Welt gehören, kommen wir überhaupt als Liefe­ranten in Frage. Das ist unsere Schuld.

Die Ereignisse in der DDR lassen begründet hoffen, dass es auch andere Wege zum Frieden geben kann. Die Skulptur auf dem Logo der Friedensbewegung – einst war sie ein Bekenntnis zum Frieden ohne Waffen. Nun ist aus ihr eine Mahnung geworden. Eine Erinne­rung an die eigenen Verpflich­tungen und Bekenntnisse. Viel­leicht sollte sie wieder lauter zu Wort kommen. In New York steht sie sicher schon ganz gut – nur bräuchten wir noch ein paar mehr davon: Vorm Kreml auf jeden Fall. Und Berlin wäre bestimmt auch ein guter Ort dafür.

Johannes Rebsch


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