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Klaus Bulenz Freitag, 3. September 2021 von Klaus Bulenz

Feiertag

Ewigkeitssonntag

„Nein, wir waren doch gar nicht nur zwei Geschwister, wir waren doch fünf!“ So die Antwort meiner Tante auf die Frage, wie mein Vater und sie eigentlich damals, vor dem Krieg, so gelebt haben, in Wolynien (Ukraine). Ich konnte es kaum glauben, für mich hatte mein Vater immer nur diese eine Schwester, bis ich im Alter von ca. 33 Jahren mal meinen Familienstammbaum erforschen wollte. Fünf Geschwister, von dreien wusste ich nichts. Mein Va­ter hat zwar erzählt, dass sein Vater 1946 bei der Rückkehr aus der russischen Gefangenschaft in seinem Beisein verstorben ist, doch von seinen anderen Geschwistern sprach er nie. So war ich fast schockiert, was war geschehen?

Meine Tante holte aus einem Schrank eine kleine Plastiktüte, darin der Wehrpass, die Gefallenen-Anzeige, eine kleine Todesanzeige meines Onkels, von dem ich bis dahin nichts wusste. Ich nahm die Dokumente fast zitternd in die Hand. „Für Führer, Volk und Vater­land“ steht vorn auf dem Wehrpass. „Er hat mir sehr gefehlt, dein Onkel, er war der Älteste, mein großer Bruder“, sagte meine Tante. Und ich las in der Gefallenen-Anzeige: „Der Panzer-Grenadier E. Bulenz, geboren 1925, ist am 18.4.1944 in Tarno­pol durch einen Kopfschuss gefallen“. 18 Jahre alt ist er geworden, mein Onkel, zwei Jahre hat er „gedient“, mit 16 Jahren wurde er Soldat. „Und was war mit den beiden Anderen“ wollte ich wissen. „Die sind bei der Geburt gestorben, es waren Zwillinge, doch das wurde damals nicht festgestellt, sie sind beide kurz nach der Geburt verstorben“. Darüber gibt es kein „Dokument“ und ich weiß noch nicht einmal ihre Namen. Doch ich weiß seit dem Gespräch mit meiner Tante, diese drei Verstorbenen gehören auch zu mir, zu meiner Geschichte. Und ich habe sie seitdem in meinen Gedanken und in meinem Herzen. Seit dieser „familiären Offenbarung“ begehe ich den Volkstrauertag und den Ewigkeits­sonntag bewusster. Ich spüre die Kraft und die Bedeutung, die in diesen Gedächtnistagen liegt. Ich trauerte und trauere vielleicht stellvertretend für meinen Vater um seine so früh verstorbenen Geschwister, denn er, als Kriegskind, hat wohl zu viel Tod und Zerstörung erlebt und deshalb manches „aus seiner Seele ausgelagert“. Gott lädt uns ein, auch dem Traurigen und Schmerz­vollen zu begegnen, es gehört zu mir und zum Leben. Mein Geden­ken gibt den Verstorbenen Wert und Würde, und ich weiß sie alle gut aufgehoben, bei Gott.

Klaus Bulenz


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