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Archiv - Statt Gottesdienst

Momentan gibt es nur alle 14 Tage Gottesdienste in der Martin-Luther-Kirche in Ahlem. Wenn Sie dort nicht teilnehmen können oder möchten oder an dem Sonn- bzw. Feiertag kein Gottesdienst stattfindet, so finden Sie hier ein Abendgebet mit Abendlied sowie Lesungen aus der Übertragung des Markus- bzw. Johannesevangeliums von Walter Jens und einige Choräle. Ab Kantate bis ggf. Pfingsten lesen wir aus verschiedenen Luther-Übersetzungen.

Die Fotografien, soweit sie Details unserer Kirche zeigen, stammen von Florian Rensing und Stefan Krause. Der Text der Lesungen bis Jubilate stammt aus: Die Zeit ist erfüllt. Die Stunde ist da. Das Markusevangelium bzw. Am Anfang. Das Wort. Das Johannesevangelium von Walter Jens (beide erschienen im Radius-Verlag 1990 bzw. 1993).

Archiv der Lesungen und Choräle

Statt Gottesdienst am 29.03.2020

Judika

Lesung

Gelesen von Pastor Stefan Krause.

Choral

Lied 369 aus dem Evangelischen Gesangbuch. Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Gruß vom Kirchturm

Liebe Gemeinde,

die aktuelle Krise bestimmt unser aller Leben und verdrängt dabei die vielen anderen Krisen in der Welt: Die Flüchtlingssituation an der türkisch-griechischen Grenze, den Bürgerkrieg in Syrien, die Klimakrise. Gegenüber der Gefahr vor unserer Haustür scheint das alles in weite Ferne gerückt. Neben der Krise gibt es jedoch noch einen weiteren bestimmenden Faktor: die Hoffnung. Bleiben wir zuhause aus Sorge vor Ansteckung oder aus Hoffnung, einen Beitrag zur Überwindung der Krise zu leisten?

Ich denke wir blieben nicht in unseren Wohnungen, hätten wir nicht die Hoffnung, dadurch die Krise zu entschärfen. Das bestimmende Gefühl ist nicht die Resignation, keine Weltuntergangsstimmung, sondern die gemeinsame Hoffnung auf, der gemeinsame Glaube an Überwindung. Das Problem mit der Hoffnung ist: Sie braucht Nahrung. Ein bisschen wie ein Feuer. Wenn man nichts nachlegt, geht’s irgendwann aus. Wie ist es nun um meine Hoffnung nach fast zwei Wochen „social distancing“, also freiwilligem Verzicht auf Sozialkontakte bestellt? Wie sieht es aus mit Hoffnung in der Krise?

Als das Volk Israel aus seiner Gefangenschaft zurückkehrte und vor den Trümmern seiner Hauptstadt und seines Tempels stand, sprach der Prophet Jesaja: Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. […] Denn so spricht der Herr: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.

Diese Bilder waren sicher Nahrung für die Hoffnung der Israeliten: Versorgung und Trost, wie auf dem Arm einer Mutter. Aber ein überfließender Strom des Friedens? Den hat Jerusalem bis heute nicht gesehen. Ist das also eine naive Hoffnung? Ein Warten ins Leere? Was Jesaja da in Gottes Namen verspricht, ist zweiteilig: Frieden im Überfluss – der steht noch aus. Aber ein Teil hat sich erfüllt: Das Volk ist wieder in seiner Heimat, Stadt und Tempel werden wieder aufgebaut.

Jerusalem und der Tempel. Das können auch Symbole sein: Sie waren im alten Israel der Ort der Gegenwart Gottes schlechthin. Jesaja verspricht also: Gott wird wieder wie früher mitten unter seinem Volk sein. Das Leid ist nicht einfach weggewischt, aus der Stadt ist noch nicht der Ort ohne Tränen geworden. Aber Gott ist mittendrin. Er vertröstet nicht auf eine andere Zeit, sondern ist mit seinem Trost jetzt da. Ein Trost, der der Sorge begegnet. Der dann kommt, wenn er gebraucht wird. Ein Trost, der sich einreiht in eine lange Geschichte von Tröstungen, Rettungsgeschichten und Gotteserfahrungen. Und für die Israeliten waren es diese Erfahrungen, das Wirken Gottes in ihrer Geschichte, die die Hoffnung auf das Vollkommene, die Hoffnung auf den einmal überfließenden Frieden nährte.

Für uns Christen gehört Jesus Christus in diese Geschichte Gottes mit uns. Für uns ist Christus die Person, bei der wir Trost erfahren und Hoffnung schöpfen. Er ist derjenige, der mitten in das Leid der Welt gekommen ist, in unser Leid. Er hat ebenfalls von diesem Friedensreich gesprochen. Von dem Ort ohne Leid und Tränen. Und davon sehen wir jetzt auch noch nicht viel. Hoffnung ist aber doch vom Ende her zu denken: Für uns heute, in der Passionszeit vom Ende her zu denken bedeutet, von der Auferstehung her zu denken. Zu wissen, dass Gott mitten in unserem Leid bei uns ist, mitleidet. Vielleicht kann das allein schon tröstlich sein. Aber geschieht in der Auferstehung nicht noch mehr? Das Leid wird überwunden. Der Tod behält nicht das letzte Wort. Tod und Auferweckung Jesu Christi sind Gottes Widerspruch gegen Leid und Sterben überhaupt. Wenn wir das glauben, dann hoffen wir doch gegen jede Erfahrung, gegen den Augenschein an. Das macht unsere Hoffnung aber nicht zu einer naiven Träumerei. Sie ist keine Flucht in eine andere Welt oder hinter das Ende der Zeit. Das, was sie hofft, die Überwindung von Sterben und Leiden für Welt und Menschen, das ist ja in Christus schon eingetroffen. Diese Hoffnung gibt mir Zuversicht, sie lässt mich nicht vor der Welt fliehen, sondern führt mich zu ihr hin – sie gibt mir den Glauben, dass Welt und Menschen heil werden können. Und sie wird zu einer Botschaft des Trostes für mich und andere, hier und heute. Wir können die Worte Jesajas hören, als wären sie direkt zu uns gesprochen: Freut euch! Freut euch an Jerusalem! Übertragen: Freut euch, dass Gott unter euch wohnt. Dass er euch bei aller Sorge, bei allem Leid trösten wird wie eine Mutter. Und dass er eines Tages den Frieden, der heil macht, zu uns lenkt, wie einen überfließenden Fluss. Für uns selbst. Für die Menschen. Und für diese Welt. Amen.

Gebet

Guter Gott,

wir bitten dich in dieser Weltweiten Krise:
Steh du den Erkrankten bei.
Gib den Ärzten und Krankenpflegern,
den Forschern und Helfern Weisheit
und täglich neue Kraft in ihrem Einsatz für die Menschen.

Wir bitten dich auch für alle,
die ihren Berufen in der Versorgung weiter nachgehen
und sich täglich dem Kontakt mit anderen weiter aussetzen,
den Erziehern in Notbetreuungen, den Kassierern in Supermärkten.
Stärke und bewahre sie.
Und für die, die ihrem Beruf nicht länger
nachgehen können, bitten wir: Versorge sie weiter.
Gib den Politikern Entschlossenheit,
schnell dort zu helfen, wo nun Existenzen bedroht sind.

Wir bitten dich für die Menschen,
die von ganz anderen Nöten geplagt sind
– die auf der Flucht oder im Krieg um ihr Leben bangen.
Lass sie nicht in Vergessenheit geraten.
Sei du ihnen Trost und lass uns in unserer eigenen Not
nicht vergessen, auch ihnen beizustehen und zu helfen.

Lass uns in diesen Tagen immer neu erfahren, dass du bei uns bist.

Amen.

Mit besten Segenswünschen
Ihr Vikar Johannes Rebsch

Statt Gottesdienst am 05.04.2020

Palmarum

Lesung

Gelesen von Pastor Stefan Krause.

Choral

Lied 14 aus dem Evangelischen Gesangbuch. Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Gruß vom Kirchturm

Gerade jubelten sie ihm noch zu wie einem Superstar. Kleider und Palmzweige legten sie ihm auf den Weg – heutzutage wäre es wohl ein roter Teppich gewesen. Jesus ritt auf einem Esel nach Jerusalem hinein. Hosianna. Hosianna. So riefen ihm die Leute zu. An diesem Sonntag Palmarum erinnern wir uns an diesen freudigen Einzug – zu Beginn der Karwoche.

Liebe Gemeinde,

in diesem Jahr gehe ich mit einer besonderen Stimmung in diese Woche. Schon die Passionszeit war in diesem Jahr auf ihre Art besonders. Ich habe von vielen gehört, die ihre Fastenbemühungen abgebrochen haben – denn Verzicht prägte die Zeit sowieso mehr denn je. Um das Leiden zu bedenken – nun, dafür brauchte es eigentlich gar nicht die Rückbesinnung auf den letzten Weg Jesu. Wie lange noch? Das fragen wir uns momentan. Ostern ist derzeit nicht nur für Christ*innen ein Hoffnungsschimmer. Alle warten darauf: dass alles wieder gut wird. Wieder normal…
Doch vor Ostern steht die Karwoche. Jesu Weg geht nun auf sein Ende zu. Die Stimmung wird umschlagen zum Ende der Woche. Das Hosianna verklingt. Kreuzige, kreuzige ihn! – so wird es heißen. Nachdem Jesus noch ein letztes Mal mit seinen Jünger*innen gegessen hat. Und dann, dann wird es dunkel, so dunkel wie nie zuvor.

„It is always darkest before the dawn“ – „Am dunkelsten ist es vor der Dämmerung.“ Dieser Ausspruch kam mir neulich in den Sinn. Erst einmal: eine richtige Beobachtung. Ein Naturgesetz im Verlauf von Tag und Nacht. Kurz bevor es in der dunklen Nacht wieder hell wird, ist es ganz dunkel. Dass es wieder hell wird – das stellt selbst in der dunkelsten Nacht niemand in Frage.

„Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lobgesungen dem hellen Morgenstern.
Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“ (EG 16.1)

So dichtete Jochen Klepper diese Gewissheit in anderen Worten. Er schreibt davon, dass Jesus und damit Gott selbst in unsere Welt gekommen ist. Und sie erhellt hat. Ein Adventslied eigentlich.

Dass auf die Nacht der Tag folgt, ist beruhigend. Doch die Nächte sind trotzdem da. Und einige dauern länger als andere. Ich frage mich: Muss es denn dunkel werden für uns? In der Natur sind Tag und Nacht Naturgesetz. Ist das übertragener Weise dann auch im Leben so? Anders gefragt: Warum gibt es Leid? Will Gott das? Muss es sein? Eine große Frage. Zu groß für uns. Bei Jesus war klar: es muss sein. So heißt es im Bibelvers für diese Woche:
„Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Joh 3,14b.15). Erhöht werden. Das heißt erst ein-mal: hoch ans Kreuz. Und dann in die tiefste Dunkelheit. Den Tod. Jesus wusste, dass es so kommt. Er sagt es seinen Jünger*innen voraus. Und doch – in der Stunde kurz vor der dunkelsten Dunkelheit: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir!“ betet er zitternd im Garten Gethsemane. Dass auf diese dunkelste Stunde die absolute Helligkeit folgen sollte, dass es nach dem Kreuz viel höher geht, in den Himmel – wer, wenn nicht Jesus selbst konnte das gewusst haben. Doch wenn uns die Dunkelheit gegenübersteht, haben wir trotzdem Angst. Wenn ich nachts nicht schlafen kann, weil meine Sorgen dann besonders groß erscheinen, dann ist die Gewissheit nicht gewiss genug, dass der neue Morgen ganz nahe ist. Dann scheint die Nacht unerträglich und unendlich lang.

„Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und –schuld.
Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr,
von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.“ (EG 16.4)

Jesus hat unsere Dunkelheit verändert. Er hat sie nicht weggenommen. Wir erleben sie immer wieder. Ohne Erklärungen zu finden. Und noch immer haben wir Angst. Auch Jesus selbst musste durch die Dunkelheit. Den qualvollen Tod am Kreuz erleiden. Das konnte ihm keiner abnehmen. Er hat das für uns gemacht. Um uns zu retten. Damit der Tod nicht das letzte Wort behält. Damit auch in den dunkelsten Stunden die Gewissheit da ist, dass der helle Tag naht. Damit ein Licht auch unsere Nacht erhellt. Jesus ist der Morgenstern. Er leuchtet in unsere Dunkelheit. Er macht sie erträglicher. Denn wir wissen: wir sind nicht allein! Und die Nacht ist nicht das Ende.

Liebe Leser*innen,

mit dem Gruß vom Kirchturm wollen wir Sie in der Zeit geschlossener Kirchentüren mit kurzen Impulsen zu den Feiertagen, etwa einer Kurzpredigt, oder einem Gebet versorgen.

Mit besten Segenswünschen,
Ihre Vikarin in Badenstedt, Sandra Golenia

Gebet

Jesus Christus, du Licht der Welt!
Du kennst die Freude im Leben.
Erinnere uns an Jubel und Festzeiten, an das, wofür wir dankbar sind.
Gib uns auch jetzt immer wieder Gründe für Lachen und Dankbarkeit.
Du kennst das Leid. Dir sind auch unsere Dunkelheiten nicht fremd.
Leuchte uns, wenn wir Angst haben.
Gib uns Gewissheit und Zuversicht,
wenn Fragen und Verzweiflung Überhand nehmen.
Sei du uns nah, wenn wir einsam sind.
Gib uns Geduld.
Begleite die Kranken und Sterbenden.
Beschütze die Menschen, die anderen helfen.
Rette die, die auf der Flucht sind.
Gib Weisheit und Mut den Menschen, die wichtige Entscheidungen treffen.
Sei bei allen, die dich brauchen.

Sei du bei uns, heute und alle Tage.

Amen.

Statt Gottesdienst am Gründonnerstag

Gründonnerstag

Lesung

Gelesen von Pastor Stefan Krause.

Choral

Lied 222 aus dem Evangelischen Gesangbuch. Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Statt Gottesdienst am Karfreitag

Karfreitag

Lesung

Gelesen von Pastor Stefan Krause.

Choral

Lied 85 aus dem Evangelischen Gesangbuch. Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Statt Gottesdienst am Ostersonntag

Ostersonntag

Lesung

Gelesen von Pastor Stefan Krause.

Choral

Lied 99 aus dem Evangelischen Gesangbuch. Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Gruß vom Kirchturm

Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern

Am Gründonnerstag haben wir uns nicht zum Abendmahl getroffen, am Karfreitag nicht zum Gottesdienst. Am Ostersonntag gibt es um 5.30 Uhr in der Kirche keine Osternacht. Und auch kein Osterurlaub, kein Osterfeuer, kein Treffen mit Freunden. Bis vor kurzem undenkbar. Jetzt eine ungesuchte Gelegenheit für uns, herauszufinden, was uns wichtig ist, woran wir hängen, was uns fehlt, worauf wir ganz gut verzichten können – und was wir nicht vergessen sollten.

Ich muss daran denken, dass es am Gründonnerstag, dem 9. April, 75 Jahre her war, dass Dietrich Bonhoeffer von den Nazis hingerichtet wurde. Der Theologe war beteiligt am Widerstand gegen die Nationalsozialisten, gehörte zum Kreis, der das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 plante.

Ebenfalls am 9. April 1945 wurde Georg Elser im KZ Dachau von der SS ermordet. Er hatte im September 1939, kurz nach Beginn des Krieges, im Alleingang versucht, Hitler und weitere führende Nazis mit einer Bombe zu töten. Es fehlten am Ende 13 Minuten daran, dass der Anschlag gelang.

Karfreitag, am 10. April, sollte mit einem Gottesdienst erinnert werden an die Befreiung des KZ Ahlem durch amerikanische Soldaten vor 75 Jahren. Seit September 1944 mussten dort Häftlinge in Asphaltstollen arbeiten, Hunderte starben, wurden ermordet.

In diesem Jahr steht für uns anderes im Vordergrund. Solche Erinnerungen kommen zurzeit ebenso nur noch am Rande vor wie der Rest der Nachrichten, die uns sonst bewegen. Der Gottesdienst am KZ-Mahnmal wurde abgesagt wie fast alles andere, das uns normalerweise beschäftigt hätte.

Hätte Elser Erfolg gehabt mit seinem Anschlag, welchen Lauf hätte die Geschichte genommen, der Krieg, die Vernichtung der Juden? Wäre das Attentat am 20. Juli 1944 nicht misslungen, hätte es das KZ Ahlem möglicherweise nicht mehr gegeben? Und welchen Sinn hat es, darüber nachzudenken?

Hätten wir jetzt am Mahnmal vielleicht das Bonhoefferlied gesungen über die guten Mächte, die uns wunderbar geborgen halten? Oder wäre das nicht denkbar angesichts des Leides, das mit diesem Ort ohne alle Geborgenheit und Güte verbunden ist? Aber hat Bonhoeffer dieses Lied nicht gerade in einer vergleichbaren Lage geschrieben, den Tod am Galgen vor Augen?

So stark das Vertrauen zu anderen Kräften als denen,
die unser Leben offenkundig bestimmen.
Das Ahnen einer anderen Welt, die möglich ist.
Und Kraft schöpfen aus diesem Ahnen, diesem Vertrauen.

Es ist gut, sich zu erinnern an Menschen wie Bonhoeffer und Elser, die versucht haben, dem Rad in die Speichen zu greifen, das auf so viel Unheil zurollt. Es ist gut, sich an Schrecken und Ende des KZ zu erinnern, um daraus zu lernen. Und wichtig, dabei nicht zu vergessen, dass das Ende der Lager die Gefangenen noch lange nicht frei gemacht hat, dass viele das Lager ihr Leben lang mit sich herumschleppen mussten; ein Wunder, wenn es Heilung gab, Versöhnung möglich war.

Ostern erzählt vom Sieg der guten Mächte über die Kräfte es Bösen, des Todes. Von neuem Leben, das mitten im alten beginnt. Eine unglaubliche Geschichte, schon für die Jünger Jesu, die es doch eigentlich wissen müssten. Aber sie haben erst einmal das Weite gesucht. Sind buchstäblich weggelaufen. Die Erfahrung der Niederlage, die Kreuzigung und der Tod Jesu, waren so viel stärker als das, was sie Ostern erlebten. Und blieb stärker. Die Welt hatte sich ja nicht geändert. Und bis sich ihre Sicht auf die Welt, ihr Verständnis geändert hat, das hat gedauert. Und dauert oft heute noch an.

Wir leben ja auch unter dem Eindruck von Karfreitag.
Unsere Themen sind Kriege, Klima, Korona…
Da hat Ostern es schwer, uns zu erreichen.
Das Vertrauen, dass nicht alles verloren ist.
Die Ahnung, wie unser Weg aussehen kann.
Der verrückte Glaube, dass Liebe stark ist wie der Tod.

Viele der Jünger sind irgendwann umgekehrt.
Ostern hat sie allmählich eingeholt. Zurückgeholt.
Und sie stark gemacht. Das ist meine Hoffnung:
Dass uns auch so ein Licht aufgeht.
Jetzt, oder zu seiner Zeit.

Lied

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.

Ach Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
Das Heil, für das du uns geschaffen hast
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

(D. Bonhoeffer, Evangelisches Gesangbuch Nr. 65, 1.2.7)

Liebe Leser*innen,

mit dem Gruß vom Kirchturm wollen wir Sie in der Zeit geschlossener Kirchentüren mit kurzen Impulsen zu den Feiertagen, etwa einer Kurzpredigt, oder einem Gebet versorgen.

Mit besten Segenswünschen,
Ihr Pastor Uwe Siemers-Ziegler

Ostern 2020

Statt Gottesdienst am Ostermontag

Ostermontag

Lesung

Gelesen von Pastor Stefan Krause.

Choral

Lied 117 aus dem Evangelischen Gesangbuch. Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Statt Gottesdienst am 19.04.2020

Quasimodogeniti

Lesung

Gelesen von Pastor Stefan Krause.

Choral

Lied 106 aus dem Evangelischen Gesangbuch. Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Gruß vom Kirchturm

Liebe lesende(n) Gemeinde(n),

jeder, der schon einmal in der Kirche in Ahlem gewesen ist, wird nicht nur mitsingend der Liturgie gefolgt sein und der Predigt zugehört haben, sondern hat vermutlich auch den Blick im Raum umherschweifen lassen. Vielleicht ist er dabei auch an dem Betonfries hängen geblieben, der die Empore ziert. Viel Beton mit seltsamen Gebilden. Auf Fragen nach ihrer Bedeutung soll Hans-Jürgen Breuste, ihr Schöpfer, die Frage an den Betrachter zurückgegeben und auch schon mal einfach nur „Nichts“ gesagt haben.

Betrachtern steht es also frei, darin zu sehen - vielleicht nicht gerade alles, was sie sehen möchten - aber durchaus Unterschiedliches: Was der Geist und die Kunst eben so eingeben.

Ich saß am Ostermorgen in der leeren Kirche, weil ich kein Vorgeläut gehört hatte und das Ostergeläut notfalls von Hand sicherstellen wollte. Ich sah umher und blieb bei dem Ausschnitt hängen, den Sie hier auf dem Foto sehen.

Schauen Sie ruhig ein bisschen ehe sie weiter lesen ... (Bitte klicken Sie auf das Bild)

Ich sah in diesem Ausschnitt u. a. drei dem Geschehen abgewandte kleine Gesichter - am unteren Rand links zwei und rechts eins. Man muss ganz genau hinsehen, um sie zu entdecken. Sie erinnern mich an die dämonischen Fratzen, die so oft an mittelalterlichen Kirchen zu finden sind und gleichzeitig für mich etwas Sympathisches, wie etwa das Gesicht von ET, an sich haben. Solche Ungeheuer sollten damals die Dämonen von Kirchen fernhalten, indem sie ihnen ihr Spiegelbild vorhielten und sie damit erschreckten.

Eine Figur sah ich, die sich mir groß, schwer und gewappnet darstellt, mit „Betonkopf", vor einer leeren Grube. Aber ich bin sicher, da ist noch viel mehr - und vielleicht auch ganz Anderes zu entdecken.

Ich empfand das ungute Gefühl, das sich beim Betrachten der Stätte einer alten Schuld einstellt. Vielleicht hat ja in dieser Grube nicht nur der Christus gelegen, dachte ich, sondern auch die Juden von Babyn Yar haben an ihrem Rand gestanden, bevor sie erschossen wurden und ihre toten Körper in die Schlucht fielen. Oder es ist eines der Massengräber in Bergen-Belsen.

Wo ist mein Ort im Betonbild? Außerhalb? Wo würden Sie sich verorten?

Die Glocken setzten dann mit vollem Geläut ein. Ich verstand beim Betrachten des Ausschnitts gut, dass die Frauen im Markusevangelium Entsetzen packt, so dass sie vom leeren Grab fliehen. Was war mit der Leiche geschehen? Sollten jetzt auch noch die Spuren der Erinnerung getilgt werden? Waren sie vielleicht selber in Gefahr?

Um so wundersamer und wunderbarer, dass aus einer leeren Grabeshöhle eine so schöne Osterbotschaft gewachsen ist: Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Und ist ja erst der Erste. Andere aus ihren Gräbern sollen folgen. Und mit ihnen ihre Geschichten.

Als käme da noch mehr. Als käme dann alles noch einmal zur Sprache; eine ja durchaus schwierige Aussicht, aber auch eine Not wendende, heilsame, gute.

Wenn die Leiche dessen, in dessen Umgebung Veränderung leichtfiel, Angst sich in Zutraun wandelte und Versöhnung möglich wurde, so dass eine hoffnungsvolle Aussicht entstand; wenn seine Leiche also nicht entsorgt wurde, sondern wenn er auferstanden ist, dann kann vielleicht ja wirklich alles noch einmal von Neuem beginnen und ein gutes Ende nehmen. So dachte ich. Quasimodogeniti - „gleich wie die neugeborenen Kinder“ heißt passenderweise der erste Sonntag nach Ostern (vgl. 1. Petr. 2,2). Als könnten wir wirklich noch einmal neu beginnen.

Können wir? Schaffen wir das? Liegen in den Krisen auch Chancen?

Auch deshalb jedenfalls der alte Ostergesang, der so weit trägt: "Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein …" Und auch noch: "Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen. Seit dass er erstanden ist, so loben wir den Vater Jesu Christ."

Einen schönen Sonntag Ihnen allen! Sozial-distanziert, aber von Herzen,
Ihr Stefan Krause

Statt Gottesdienst am 26.04.2020

26.04.2020 - Misericordias Domini

Lesung

Gelesen von Pastor Stefan Krause.

Choral

Lied 101 aus dem Evangelischen Gesangbuch. Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Gruß vom Kirchturm

Kommet, ihr Hirten!

Der 2. Sonntag nach Ostern könnte Hirtensonntag genannt werden. In fast allen vorgeschlagenen Texten und Lieder kommen Hirten vor. Das sind natürlich keine realistischen Beschreibungen von Hirt*innen damals und heute. Nein, es sind idealisierte Bilder von Mächtigen, die voller Liebe und Fürsorge für andere da sind. Einige Beispiele:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. (Psalm 23,1)

Wenn der Herr (also Gott) mein Hirte ist, bin ich ein Schaf? Offensichtlich nicht, denn es ist in diesem Wochenpsalm die Rede davon, dass ich wandere, in einem Haus wohne, einen Tisch gedeckt bekomme und mit Öl gesalbt werde.

Und selbst wenn: Schaf-Sein bedeutet hier nicht, stumpfsinnig hinter einem autoritären Hirten herzulaufen oder von eifrigen Hütehunden in einer Herde gehalten zu werden. Wenn ich zu diesem Hirten gehöre, darf ich eigene Wege gehen (Wegweiser inklusive), bin im dunklen Tal nicht allein und muss vor Feinden keine Angst haben. Der Hirte sorgt für mich. Aber wie stellt er das an?

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. (Johannes 10,11)

Jesus gibt im Sonntagsevangelium darauf eine sehr radikale Antwort. Er delegiert sie dann nicht an irgendwen, sondern setzt sie selbst um. Kurz danach lässt er sein Leben, stirbt am Kreuz.

Was für ein Gegensatz: Jesus bezeichnet sich selbstverständlich als Hirten – so wie viele antike Herrscher das getan haben. Damit beansprucht er Autorität und Macht und stellt klar: »Ich bin ungleich mächtiger als ihr!«.

Im gleichen Atemzug bezeichnet Jesus sich als guten Hirten: nicht, weil er seine Macht über die Schafe ausübt, sondern weil er für sie stirbt.

Der Sohn Gottes beherrscht uns nicht, sondern stirbt für uns? Jesus sagt: Natürlich! Sonst wäre ich kein Hirte, sondern ein »Mietling«. (Johannes 10,12)

Warum? Jesus liebt uns mit letzter Konsequenz. Er ist gibt sich in unser Leben hinein, auch wenn das bedeutet, seine ganze Hirtenmacht wegzuwerfen und mit uns zu sterben. Weil er uns nicht allein lassen will. Als Ergebnis bezwingt er nicht uns, sondern den Tod. Für sich und für uns.

Ein Vorbild für irdische Herrscher*innen?

Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! (Hesekiel 23,2)

Im alttestamentlichen Text des Sonntags kritisiert der Prophet Politiker*innen, die ihre Macht missbrauchen: »Das Schwache stärkt ihr nicht und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt.« (Hesekiel 34,4)

Die politisch Starken sind als Hirt*innen dafür da, dass es den Menschen in ihrem Zuständigkeitsbereich gut geht. Das bedeutet: Fürsorge und Ermächtigung, nicht Unterdrückung und Entmündigung. Die Schwachen sollen gestärkt werden und die Starken nicht geschwächt.

Die aktuelle Politik bietet ausreichend Anschauungsmaterial dafür, wie Hirt*innen dieser Aufgabe gerecht werden oder eben auch nicht. Einige Hüter*innen hüten auch in der Krise vor allem sich selbst.

Spricht Jesus zu ihm: »Weide meine Schafe!« (Johannes 21,16)

Ganz am Ende des Evangeliums, es ist alles geschehen, Tod wie Auferstehung, spricht Jesus diese Worte zu Petrus. Ein Hüteauftrag. Ich verstehe das auch als Auftrag an uns alle, einander zu weiden.

Das bedeutet in der Regel nicht, füreinander zu sterben. Aber es sollte bedeuten, füreinander zu leben. Und bei all dem Niederdrückenden in dieser Zeit erlebe ich das eben auch: dass Menschen einander hüten. Einander durch dunkle Täler führen. Einander Tische decken im Angesicht von Angst und Not.

Und ganz neu: Dass sie Abstand halten. Das eigene Gesicht verbergen. Auf Geselligkeit verzichten. Körperlich distanziert sind und doch einander ganz nahe (»Soziale Distanzierung« ist genau das: eine Distanzierung, die anderen gut tut). Weil aber die körperliche Nähe oft unglaublich fehlt, ist das eine besondere Herausforderung an unsere Kreativität. Sehr viele Menschen sind hier sehr findig. Das macht Mut.

Und so sind wir beides: Schafe und Hirt*innen. Schafe des göttlichen Hirten – nicht eingepfercht und entmündigt, sondern begleitet und gestärkt. Der Hirte ist für uns in den Tod gegangen, wo unser Lebenstal am finstersten ist. Dort lässt er uns nicht stecken, sondern begleitet uns zum gedeckten Tisch eines neuen Lebens.

Und gleichzeitig sind wir einander Hirtinnen und Hirten, bilden eine Gemeinschaft, die sich hütet.

Natürlich ist das eine Idealvorstellung. Aber wenn ich in diesen Wochen durch die Straßen gehe oder auf unterschiedlichsten Wegen mit Menschen kommuniziere, dann merke ich: Immer wieder sind wir schon ganz schön nah dran. Hüten wir uns weiterhin!

Amen

Manuel Kronast

Statt Gottesdienst am 03.05.2020

03.05.2020 - Jubilate

Lesung

Gelesen von Pastor Stefan Krause.

Choral

Lied 110 aus dem Evangelischen Gesangbuch. Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Gruß vom Kirchturm

Jubilate – »Jubelt, jauchzt«!

Diese Aufforderung ist der Name des heutigen Sonntags.

Mitten in einer Zeit, in der nur noch Weniges so klappt, wie es geplant war, scheint das nicht so ganz angemessen.

Wir feiern immer noch keine Gottesdienste zusammen, die Konfirmationen wurden verschoben, Veranstaltungen, Feiern, Konzerte, Hochzeiten: abgesagt.

Schulen und Kindergärten sind noch immer geschlossen. Besuche im Krankenhaus oder im Pflegeheim sind immer noch nicht möglich. Und so können wir sicher alle von den Herausforderungen und Einschränkungen im Alltag berichten.

Nein, so richtig Jubelstimmung kann da doch nicht aufkommen, oder?

Namensgebend für unseren Sonntag ist der Psalm 66 – er beginnt genau mit dieser Aufforderung. »Jauchzt!« – aber nicht so sehr, weil dem Sprecher gerade alles gelingt, sondern:

»Jauchzet Gott, alle Lande!
Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!«

Der Jubel gilt den Werken Gottes.

In dieses Lob einzustimmen, fällt dann vielleicht doch nicht ganz so schwer: Der Frühling bricht sich schon richtig Bahn. Immer öfter können wir die Sonne genießen. Bei uns blüht der Flieder und wir können Vögel beobachten, wie sie ihre Junge füttern. Ja, wenn ich mich so an der Natur freue, mag ich auch die Werke Gottes loben.

Nur leider hält das nicht immer so lange vor. Denn kaum bin ich wieder zu Hause, sieht es schnell wieder anders aus. Dieselben schlechten Nachrichten, Videokonferenzen statt echter Treffen, Einkaufen mit Maske … Und ich mache mir Sorgen, wenn ich in der Zeitung von den »Wegen in die neue Normalität« lese – ich hätte ja ganz gerne die alte zurück.

Wer diesen Psalm geschrieben hat, hat aber nicht nur verträumt in die Natur geschaut:

»Kommt her und sehet an die Werke Gottes,
der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Er verwandelte das Meer in trockenes Land,
sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns seiner freuen.«

Die Werke Gottes sind nicht nur etwas, das ich ansehen und mich darüber freuen kann. Sie betreffen mich selbst.

Das Loblied erklingt nicht über das, was Gott sonst so in der Welt tut, sondern über das, was er an mir selbst tut – oder besser: schon getan hat. Der Autor des Psalms schaut in die Vergangenheit und erinnert sich an den Durchzug durch das Rote Meer. Erinnert sich daran, wie Gott sein Volk aus einer aussichtlosen Lage befreit hat, ihm beigestanden hat. Und er schöpft neues Vertrauen.

Für uns ändern sich gerade gefühlt alle paar Tage die Regeln, was erlaubt ist und was nicht. Ob wir zuversichtlich auf ein Ende der Krise schauen und auf eine Lockerung zugehen; oder ob wir Sorge vor einer zweiten Welle haben und uns auf weitere Einschränkungen einstellen müssen.

Gegenwart und Zukunft sind unberechenbar und gerade merken wir deutlich, wie oft unsere Pläne nicht aufgehen, unsere Vorhaben sich nicht durchführen lassen, Regeln unser Leben beschränken.

Aber die Vergangenheit, die ändert sich nicht mehr. Und wenn ich zurückblicke, dann fallen mir Dinge ein, wo ich Bewahrung und Segen erlebt habe.

Und ich kann neues Vertrauen fassen. Vertrauen, dass Gott mir auch in den Zeiten, die ich jetzt nicht überblicken kann, beisteht.

Vertrauen, dass ich jetzt mit Gott auf eine Zukunft zugehe, aus der ich eines Tages auf diese Zeit zurückblicken kann und vielleicht auch darin Gottes Bewahrung und Begleitung erkennen werde.

Mit solchem Vertrauen möchte ich dann auch das Loblied des Psalms weitersingen:

»Lobet, ihr Völker, unsern Gott,
lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsre Seelen am Leben erhält
und lässt unsere Füße nicht gleiten.«

Amen

Gebet

Gott, wenn wir zurückschauen,
können wir oft staunen und in das Lob einstimmen:
Deine Werke sind wunderbar.

Gerade jetzt ist für uns aber vieles gar nicht mehr wunderbar:
Wir sehen, wie unsere eigenen Pläne verfliegen.
Wir machen uns Sorgen um unsere Familien und Freunde,
und um die Zukunft.
Schenke du uns ein neues Vertrauen auf dich,
sodass wir glauben können,
dass du jetzt und in Zukunft Bewahrung und Segen gibst,
wie du es auch früher schon getan hast.

Wir bitten dich für die vielen Menschen,
die sich um ihr eigenes Leben, ihre Existenz,
gesundheitlich oder wirtschaftlich Sorgen müssen.
Sei du Ihnen nah und gib Ihnen, was sie zum Leben brauchen.
Lass ihnen schnell Hilfe zukommen.

Wir bitten für diejenigen,
die Verantwortung für das Leben in unserer Gesellschaft tragen.
Gib Ihnen Weisheit für ihre Entscheidungen und behüte ihr Leben.

Wenn wir es sind,
die anderen ein Zeichen
der Verbundenheit und Unterstützung zukommen lassen können:
Gib uns dazu Mut!

Amen

Vikar Johannes Rebsch

Statt Gottesdienst am 10.05.2020

10.05.2020 - Kantate

Lesung

Gelesen von Pastor Stefan Krause. Quelle: Die Bibel, Lutherübersetzung, Hildburghausen & New York, 1831

Choral

Lied 113 aus dem Evangelischen Gesangbuch. Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Gruß vom Kirchturm

Kantate

Von Sandra Golenia, Vikarin in Badenstedt

Musik lässt sich schlecht in Worte fassen. Das habe ich schon in der Schule gemerkt. Eigentlich hätte ich mich wohl freuen sollen. In der Musikklausur kam ausgerechnet die Titelmelodie von einem meiner Lieblingsfilme dran. Doch zu beschreiben, was ich beim Hören fühlte, was die Musik bei mir als Hörerin auslöste – das fiel mir schwer. Alle Beschreibungen von Tonfolgen und Begründungen, warum der Komponist sie gewählt hatte – ihnen fehlte der Zauber, mit dem sie mich erfüllten.

Musik ist das, was diesen Sonntag, den Sonntag Kantate ausmacht. Kantate, das heißt auf Deutsch: „Singt!“

Und schon möchte ich eigentlich loslegen und diesem Aufruf folgen. Denn wie schon gesagt – in Worte fassen lässt sich Musik irgendwie schlecht. Aber: statt zu singen soll ich nun also ausgerechnet etwas über Musik schreiben.

Aber das mussten vor mir auch schon andere. Wie hätten sie ihre Erlebnisse und Erfahrungen damit sonst weitergeben sollen? Also erzählt auch der Predigttext für heute von einem besonderen musikalischen Erlebnis. Im 2. Buch der Chroniken, im Alten Testament, wird berichtet, wie der König Salomo alle Menschen Israels versammelte, die etwas zu sagen hatten oder Verantwortung trugen im Volk. Denn endlich war er fertig: der Tempel, das Haus Gottes. Nun sollte er eingeweiht werden. Eine große Einweihungsfeier sollte es werden. Denn nun sollte auch Gott in den Tempel einziehen. Solange hatte man für Gott eine mobile Wohnung gehabt, „Stiftshütte“ genannt, quasi einen Wohnwagen. Das sollte sich nun ändern. Nun brachte man alle heiligen Gegenstände in den Tempel. Vor allem den Kasten, in dem die Tafeln mit den 10 Geboten waren. Dieser Kasten, die Lade, war ein Zeichen dafür, dass Gott einen Vertrag geschlossen hatte, einen Bund, mit den Israeliten. Die war also besonders wichtig. So kam sie ins „Allerheiligste“.

Wie es sich für ein richtiges Fest gehörte, gab es natürlich auch Musik bei dieser Einweihung. Zimbeln, Psalter und Harfen. Außerdem Trompeten und Gesang. Nun, wie das so ist mit der Musik – die reine Beschreibung im Chronikbuch gibt uns kaum eine Vorstellung davon, wie es damals geklungen haben muss. Es war, „als hörte man eine Stimme“, die Gott lobte und ihm dankte, heißt es. Die Worte, die gesungen wurden: „Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig.“

Als also diese Musik so erschallte in dieser ganz besonderen Weise – da füllte sich das Haus mit einer Wolke. Und in dieser Wolke, da war Gott. Gottes Herrlichkeit – in und durch die Musik erfüllte sie den ganzen Tempel. Da war für nichts anderes mehr Raum. Auch die Priester, so heißt es, konnten gar nicht mehr ihre eigentliche Arbeit aufnehmen.

Eine unbeschreibliche Szene. Auch wenn der Versuch gewagt wurde, um sie an uns weiterzugeben.

Was für eine Vorstellung – dass wir mit unserer Musik, mit unserem Loben und Singen Gott in unsere Mitte holen können – und nichts anderes mehr nötig und möglich ist, als Gottes Herrlichkeit zu bestaunen.

Vielleicht klingt das ein wenig nach Zukunftsmusik. Wenn wir doch endlich wieder alle zusammen im Gottesdienst singen und Gott loben dürfen. Auch ich hoffe darauf und sehne mich danach. Solange freue ich mich darauf, dass zumindest wieder die Orgel erklingt und ihre unbeschreibliche Musik. So können zumindest unsere Herzen mitsingen.

Und ich glaube außerdem fest daran: um Gott zu loben und sich ihm nah, sich von ihm umgeben zu wissen, dafür brauchen wir nicht unbedingt die Kirche, den Tempel. Auch wenn das gemeinsame Singen im Gottesdienst etwas besonderes für mich ist.

Aber: Tempel und Kirchen vergehen. Den großen Tempel, den die Israeliten damals eingeweiht haben, gibt es nicht mehr. Aber mit ihm haben sie damals trotzdem nicht Gott und seine Nähe verloren.

Und auch, als unsere Kirchen zu waren – oder falls sie es jemals wieder sein sollten: Gott war und ist nicht weg. Gott ist bei uns. Und wir können ihn loben. Mit Worten. Mit Musik und Gesang.

Also: drehen Sie, dreht ihr euer Lieblingslied laut auf. Stimmt euer Loblied für Gott an. Damit die Musik den Raum und euch erfüllt. Und dann vielleicht auch Gottes Gegenwart spürbar wird.

Oder um es mit den Worten des Wochenspruchs zu sagen: „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ (Psalm 98,1)

Gebet

Lieber Gott,

danke, dass du uns die Musik gegeben hast.
Wir wollen für dich singen:
Loblieder und Klagelieder. In Moll und in Dur.
Wir singen davon, was unser Herz schwer macht. Alle Trauer, allen Schmerz.
Wir singen davon, was uns fröhlich macht. Was unser Herz leicht macht.
Wir singen davon, was uns Hoffnung macht.
Bei dir ist all das sicher aufgehoben.

Amen

Statt Gottesdienst am 17.05.2020

17.05.2020 - Rogate

Lesung

Lukas 11, 1-13 gelesen von Pastor Stefan Krause. Quelle: Die Bibel, Lutherübersetzung, Hildburghausen & New York, 1831

Choral

Komm lieber Mai und mache. Gesungen und gespielt von Réka-Zsuzsánna Fülöp, Daniela Preisigke (Sopran) und Ralf Wosch (Klavier)

Gruß vom Kirchturm

Rogate

Von Pastor Uwe Siemers-Ziegler

Der Zettel hängt in dem kleinen Krankenhaus in Jeka, nicht weit von Chegato, unserer Partnergemeinde in Zimbabwe. Sauber beschrieben in der ordentlichen Druckschrift, die die Menschen hier in der Schule lernen. Hängt da zwischen ähnlichen Blättern mit Anweisungen, wie für Hygiene zu sorgen oder was bei einer Geburt zu beachten ist. Im Krankenhaus fehlt es an allem, Ärzte gibt es nicht, kaum Medizin, nur ein paar uralte Geräte – aber man spürt einen guten Geist. Und dann hängt da dieses Blatt mit diesem Gebet:

Ich bat um Kraft, aber Gott gab mir Schwierigkeiten, um mich stark zu machen.
Ich bat um Weisheit, aber Gott gab mir ein Problem, das ich zu lösen hatte.
Ich bat um Hilfe, aber Gott gab mir zwei Hände, um die Sache zu erledigen.
Ich bat um Mut, aber Gott brachte mich in Gefahr, die ich zu meistern hatte.
Ich bat um Liebe, aber Gott gab mir Leute in Not, um ihnen zu helfen.
Ich bat Gefälligkeiten, aber Gott gab mir Gelegenheiten.
Nichts von dem bekommen, was ich mir wünschte,
aber alles erhalten, was nötig war.

Oben drüber stand: Ein beantwortetes Gebet.

Ich weiß nicht, ob mich der Text auch so beeindruckt hätte, wenn ich ihn anderswo gelesen hätte. Inzwischen weiß ich, dass er wohl sehr bekannt ist. Und es ist gar nicht sicher, woher er stammt: aus einer indischen Tradition, einer mystischen Strömung im Islam? Auch in jüdischen und natürlich in christlichen Zusammenhängen habe ich ihn gefunden. Aber für mich ist er mit dem Krankenhaus in Jeka verbunden, und ihn da zu lesen, das fühlte sich richtig an.

Am 17. Mai ist der Sonntag Rogate: „Betet!“ heißt das. Früher ging es da um das Gebet im Frühjahr für eine gute Ernte später im Jahr. Das kann man sich heute auch vorstellen, wenn man sieht, dass es (nicht nur) den Bauern schon wieder an Wasser fehlt. Im Gottesdienst dreht sich an diesem Tag alles um das Bitten und Danken, das Klagen, das Loben, um die Zwiesprache mit Gott. Darum, wie gut einem das tun kann und wie schwer einem das fällt.

Beten.

Kann ich von andern da etwas lernen? Kann ich meine Erfahrungen mit dem Gebet mit andern teilen? Sie anderen mitteilen?

Es geht beim Beten um Erwartungen. Es geht um Enttäuschungen. Um Unsicherheit, um Klarheit. Darum, wie ich Worte finde, und ob ich überhaupt Worte brauche, wenn ich bete. Muss ich Gott überhaupt an mich erinnern? Weiß er nicht sowieso, wie es um mich steht? Mache ich mir beim Beten nicht erst einmal selbst klar, was los ist – und Gott hört dabei zu?

Für Kinder gibt es Gebete, die sich reimen, die sie sich gut merken können.

Für uns alle das Vaterunser. Vertraute Sätze, über die ich oft gar nicht mehr nachdenke. Und wenn doch, merke ich, wie geheimnisvoll das ist, diese Rede von Gottes Namen, Gottes Wille, Gottes Reich, von seiner Kraft und Herrlichkeit und dem Brot für uns, von Schuld und Versuchung, Vergebung und Erlösung und Ewigkeit.

Wir beten. Still für uns. Gemeinsam mit anderen. Mit geliehenen und eigenen Worten. Man kann nichts falsch machen. Es einfach versuchen, und sehen, was passiert… Meistens passiert nicht das, was ich erwarte. Davon erzählt ja der Text aus Jeka. Erzählt aber auch davon, dass etwas passiert. Und mir kann dabei etwas aufgehen.

Wer betet, sollte wohl offen sein für überraschende Antworten. Und muss wohl auch nicht immer alles sofort verstehen.

Da ist so viel, über das ich mir klarzuwerden versuche, über das ich vor Gott nachdenke. Es ist ja Krisenzeit. Immer noch. Weiterhin. Ich habe da viel mit mir selbst zu tun…

Aber es ist eine gute Tradition, auch für andere zu beten, den Blick zu weiten für das, was um mich herum ist. Und auch da fällt mir wie sicher auch Ihnen eine Menge ein.

Mit dem beantworteten Gebet aus Jeka denke ich an die Menschen in Chegato und Danga, unsere Partner, ferne Nächste. Denke daran, was Corona jetzt dort bedeutet, wo schon vorher Not nur ein unzureichendes Wort war, um die Lage zu beschreiben.

Und ich bete: Ach Gott… gib uns, was nötig ist.

Amen.

Statt Gottesdienst an Christi Himmelfahrt

21.05.2020 - Christi Himmelfahrt

Lesung

Apostelgeschichte 1, 6-14 gelesen von Pastor Stefan Krause. Quelle: Die Bibel, Lutherübersetzung, Hildburghausen & New York, 1831

Choral

Lob Gott getrost mit singen. Gesungen von Réka-Zsuzsánna Fülöp und Daniela Preisigke (Sopran)

Statt Gottesdienst am 24.05.2020

24.05.2020 - Exaudi

Lesung

Joh. 16, 5-15, gelesen von Pastor Stefan Krause. Quelle: Die Bibel, Lutherübersetzung, Hildburghausen & New York 1831

Choral

Wie lieblich ist der Maien. Gesungen von Réka-Zsuzsánna Fülöp und Daniela Preisigke (Sopran)

Gruß vom Kirchturm

Exaudi

Von Pastor Stefan Krause

Vor ein paar Tagen war Christi Himmelfahrt. So bezeichnet man diesen Tag normalerweise in der Kirche. Außerhalb der Kirche spannen sich Männer vor Bollerwagen und transportieren Alkoholika ins Grüne. Gegen Abend kehren schwankende Gestalten zurück. Das nennt man Vatertag und runzelt in kirchlichen Kreisen ob mancher damit verbundener Exzesse die Stirn.

Dabei ist zumindest der Name des rauschhaften Vergnügens fast fromm. „Vater“, meint mitnichten nur die sich im Grünen vergnügenden Väter, sondern auch den „Vater im Himmel“ aus Bibel und Glaubensbekenntnis.

„Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“, sagt Jesus in Johannes 20,17 zu Maria, der er im Garten erscheint und die ihn nicht berühren soll, denn er ist „noch nicht zum Vater aufgefahren“ Das Bindeglied zu unseren Vatertagsbräuchen sind vermutlich mittelalterliche Prozessionen um die Felder.

Vatertag also ist auch Tag der Rückkehr des Sohns zum Vater nach erfüllter Mission. Für Propheten ist so eine Rückkehr nicht unüblich. Elia z. B. wurde in einem feurigen Wagen gen Himmel entrückt. Und seine Jünger blieben zurück und gewöhnten sich an Elisa, den Nachfolger. Im Falle Jesu aus Nazareth sind es die anderen Akteure, der Geschichte, die zurückbleiben und die wir aus den Evangelien kennen:
Geschwister und Eltern,
Jünger/-innen, Gegner; Soldaten,
Priester, Stadtkommandanten,
Kaiser, Hirten, Kaufleute, Großgrundbesitzer,
korrupte Zöllner, leichte Mädchen - Sie, ich, wir alle.

Zum Himmel aufgefahren also, zum Vater: Was macht er da?

Er sitzt, sagt das Glaubensbekenntnis. „Er sitzt zur Rechten des Vaters. Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Er sitzt und schaut vermutlich in die Welt, die er verlassen hat. Außerdem wird er den Heiligen Geist senden, nach ein paar Tagen als Beistand. Zum Trost heißt es in den Lutherübersetzungen gern. Aber Beistand trifft es wohl besser. Mit seiner Hilfe muss die im Entstehen begriffene Christenheit sich wohl oder übel selbst behelfen. Vorbei geht allmählich die Zeit der Wunder. Die charismatische Figur, die den Anbruch eines Himmelreiches auf der Erde glaubhaft verkörpert hatte, ist wieder an ihren Ursprung zurückgekehrt und in der Apostelgeschichte fragen zwei Engel die verlassenen Jünger/-innen: „Was steht ihr da und schaut gen Himmel? (Apg 1,11).

Für mich, der ich in einer Zeit lebe, in der der astronomische Himmel leer geworden ist, vermessen mit Radioteleskopen, von Raumschiffen durch-flogen, mit mathematischen Modellen in seinen Bewegungen erschlossen, ist das ein hilfreicher Satz. Er bestätigt mich in dem, was mir zu tun bleibt in diesem Leben: Darin, die Welt zu verstehen, soweit es eben geht; meine Nische in der Welt zu finden; in ihr zu handeln, so gut ich eben kann. Und dabei nicht die Augen davor zu verschließen, dass die Menschheitsgeschichte auch im Desaster enden kann.

• Dabei Vielen und manchmal auch mir selber etwas schuldig bleiben.
• Dabei mich gestärkt fühlen, wenn ich höre, wofür in unserer Art, die Welt anzuschauen, eigentlich kein Ort mehr ist: Von der Abgeltung all dessen, was in diesem Leben unabgegolten bleibt. Von der Versöhnung der unversöhnten Gegensätze. Von der Heilung allen Leides am Ende, wenn er gute Hirte zum gerechten Richter geworden sein wird, der alles zurechtrückt und miteinander versöhnt.

Bis dahin aber gilt: Was steht ihr da und schaut gen Himmel?

Vor ein paar Tagen war Himmelfahrt. Der Sonntag danach heißt Exaudi. Zu Deutsch: Erhöre. Der Name stammt aus dem Psalm für diesen Sonntag: Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe! Sei mir gnädig und erhöre mich! (Psalm 27,7).

Natürlich ist es gut, wenn es Mitmenschen gibt, die hören, wenn ich rufe, und vielleicht auch, wenn ich nicht mehr rufe. Aber es ist sicher auch gut, wenn da ein Gott ist, der mithört, anders hört, und der manchmal der einzige ist, der hört.

Manchmal muss ich mich einfach darauf verlassen. Obwohl ich nicht weiß, wo der, der zum Himmel fuhr und dort seine Wohnung hat, „wirklich“ wohnt.

Gut gefällt mir da ein kurzes Gedicht von Reiner Kunze:

JUGEND IN DEN PFARRGARTEN (1)

Christus fährt nicht gen himmel
im rauch der rostbratwürste die
der pfarrer brät (der rauch aber zeigt
den weg)

Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen
Stefan Krause

1 Reiner Kunze, Zimmerlautstärke, Frankfurt/Main 1972, S.18

Statt Gottesdienst am Pfingstsonntag

31.05.2020 - Pfingstsonntag

Lesungen

Genesis 11, gelesen von Pastor Stefan Krause. Quelle: Die Bibel, Lutherübersetzung, Hildburghausen & New York, 1831

Apg. 2, 1-24, gelesen von Pastor Stefan Krause. Quelle: Die Bibel, Lutherübersetzung, Hildburghausen & New York, 1831

Choral

Du meine Seele singe. Gesungen von Réka-Zsuzsánna Fülöp und Daniela Preisigke (Sopran)

Gruß vom Kirchturm

Die Ausgießung des Heiligen Geistes

Die Ausgießung des Heiligen Geistes

Evangelistar St. Peter, um 1200, Badische Landesbibliothek Karlsruhe. Mit freundlicher Genehmigung des Herder-Verlags.

Pfingstsonntag

Von Pastor Dr. Manuel Kronast

Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist!

So beginnt eines der Wochenlieder für den Pfingstsonntag.

Der Predigttext des diesjährigen Pfingstsonntags (Apostelgeschichte 2,1-21) beschreibt, wie es aussieht, wenn der Heilige Geist kommt: Es ist zehn Tage nach Himmelfahrt, die Jüngerinnen und Jünger fühlen sich von Jesus und Gott verlassen. Sie bleiben zu Hause, gehen nicht hinaus in die Stadt, wo gefeiert und in allen Sprachen gesungen wird. Sie wagen sich nicht vor die Tür. Dann aber werden sie von Gottes Geist erfasst, er kommt in Sturm und Feuerflammen. Sie öffnen die Türen, strömen ins Freie, verkündigen das Evangelium, taufen und heilen. Die Geschichte der Kirche hat begonnen.

In einem Evangelistar vom Anfang des 13. Jahrhunderts gibt es dazu ein Bild. Aber der Maler, ein Benediktinermönch, illustriert nicht die ganze Geschichte. Er nimmt sich eine einzelne Szene vor, die er eigenwillig auslegt.

Wie in der Apostelgeschichte sitzen die Jünger in einem Haus. Aber das ist kein Haus, wie wir es im ersten Jahrhundert in Jerusalem gefunden hätten, es ist eine mittelalterliche Burg. Dort sind die Jünger in Sicherheit, es ist aber auch ziemlich eng. Einige von ihnen halten die Heilige Schrift in der Hand, aber niemand liest darin. Sie unterhalten sich nicht, sondern schauen stumm in die Gegend oder nach oben. Wie Fischer, Handwerker oder Zöllner aus Palästina sehen sie nicht aus, sondern so wie sich ein Benediktinermönch im elsässischen Weißenburg um 1200 n. Chr. weise und verdiente Männer vorgestellt hat. Außerdem sind es nicht zwölf Jünger, sondern 13. Der Mönch hat einfach Paulus dazu gemalt, der in Wirklichkeit erst einige Jahre später zur Gemeinde stößt.

Von oben - durch das Dach der festen Burg hindurch - stößt aus einer Wolke eine Taube. Sie sendet blutrote Strahlen aus; wo sie die Jüngerköpfe berühren, bilden sich bescheidene und gemäßigte Flammen. Diese Taube steht natürlich für den Heiligen Geist, aber er kommt nicht im Sturm. Er kommt höchstens in der Ruhe vor dem Sturm. Trotzdem ist klar: Es wird so nicht weitergehen, der Heilige Geist wird Neues entstehen lassen. Aber was?

An dieser Stelle lässt uns der Maler mit dem Bild allein.

Wir können weiterdenken oder weitererzählen. Vielleicht genau so, wie es in der Apostelgeschichte erzählt wird, vielleicht ganz anders. Vielleicht für die Zeit des Mönchs oder für unsere Zeit.

Was ging dem Maler selbst wohl durch den Kopf, beim Malen hinter sicheren Klostermauern in der reichen Abtei. Vielleicht: Dicke Mauern sind nicht die Zukunft der Kirche, wir müssen da raus! Vielleicht ist das sein Antrieb, wenn er die Mauern verlässt: im Gebet oder zur Arbeit, zum Unterrichten oder Missionieren, zum Heilen oder Ackern.

Vielleicht (wenn auch historisch wenig wahrscheinlich) wollte er auch ausdrücken: Eine Kirche aus weißen weisen Männern hinter festen Mauern ist zu eng gedacht. Sie muss sich öffnen für Frauen und Kinder, Schwache und Starke, Eingesessene und Hergelaufene, Städtebauerinnen und Freigeister, Gelehrte und Seeleute, Nonnen und Politiker, die ganze Welt.

Ich finde es sehr spannend, dass dieser namenlose Mönch die Ruhe vor dem Sturm malt. Nicht die begeisternde Predigt des Petrus vor den Türen des Hauses. Nicht die vielen Menschen, die an diesem Tag zum Glauben kommen und sich taufen lassen. Nein, dreizehn Männer, die ihre Bücher bei sich haben, sicher im Glauben stehen und doch so fest in ihren Mauern eingezwängt sind, dass es nur einen kleinen Funken braucht, damit sie explodieren, ihre Mauern sprengen, hinausziehen, andere begeistern und das Alte, Gesicherte, Leblose hinter sich lassen. Er hat den Augenblick gemalt, in dem alles möglich ist.

Das Wunderbare ist: Es ist immer wieder alles möglich. Wir können die Geschichte für uns weiterdenken und weiterleben. Wo kommen wir denn da hin, wenn der Geist uns entzündet? Wenn sich Türen öffnen und Mauern durchlässig werden. Wenn wir blinzelnd ins Freie treten, uns ins Leben mischen und die Gotteskraft weitertragen. Der Glaube ist unser fester Boden. Der Heilige Geist lässt uns darauf tanzen.

Begeisternde Pfingsttage wünscht
Manuel Kronast

Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist, wirke in uns, Heiliger Geist, Atem Gottes, komm!
Komm, du Geist durchdringe uns. Komm, du Geist, kehr bei uns ein. Komm, du Geist, belebe uns, wir ersehnen dich!
Komm, du Geist der Heiligkeit, komm, du Geist der Wahrheit! Komm, du Geist, belebe uns, wir ersehnen dich!
Komm, du Geist, mach du uns eins, komm, du Geist, erfülle uns! Komm, du Geist, und schaff uns neu, wir ersehnen dich.
Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist, wirke in uns, Heiliger Geist, Atem Gottes, komm!
(Thomas Csanády / Roger Ibounigg 1985 – zweites Wochenlied des Pfingstsonntags)

Statt Gottesdienst am 07.06.2020

07.06.2020 - Trinitatis

Lesung

Gelesen von Pastor Stefan Krause.

Choral

Lied 138 aus dem Evangelischen Gesangbuch. Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Gruß vom Kirchturm

Trinitatis

Von Pastor Johannes Neukirch

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Am Pfingstmontag hat unser Landesbischof in der Stiftskirche St. Marien in Obernkirchen - das ist bei Bückeburg - den Erlebnisraum Taufe eröffnet. Genauer gesagt wiedereröffnet, denn der Raum war unser Beitrag 2017 bei der "Weltausstellung Reformation" in Wittenberg. Ich komme darauf, weil unser Predigttext vom Segen handelt und dieser in dem Erlebnisraum eine besondere Rolle spielt. Vielleicht haben Sie das vor drei Jahren selbst gesehen: Ein Empfangsraum in schönem Blau. In einem zweiten Raum eine Videoinstallation zum Thema Wasser - das gehört zur Taufe ja wesentlich dazu. Danach kam man in einen dritten Raum, in dem der 500 Jahre alte Taufstein aus der St.-Aegidien-Kirche in Hülsede stand. Und eine freundliche Mitarbeiterin bzw. ein freundlicher Mitarbeiter fragte dann die Eintretenden, ob sie sich segnen lassen wollen, verbunden mit einer Tauferinnerung.

Sich segnen lassen und an die eigene Taufe erinnern - das war für die meisten sicherlich eine überraschende Einladung. Vorher konnte ich mir alles aus der Distanz anschauen, den Raum, den Film - jetzt steht da jemand, der mir etwas von Gott geben will. Ich werde an der Stirn berührt und spüre das Wasser aus dem Taufstein. Jemand spricht für mich einen Segen, der Herr segne dich und behüte dich. Viele, die das mitgemacht haben, waren sichtlich tief berührt.

"Der Herr segne dich und behüte dich. Das sind Worte aus dem aaronitischen Segen, unserem Predigttext. Was bedeuten für uns die vertrauten Worte aus dem Segen am Ende des Gottesdienstes - "der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden"? Ich denke, sie versichern uns: Gott wendet sich uns vorbehaltlos und liebevoll zu.

Gerade in den Corona-Zeiten merken wir doch, wie sehr wir darauf angewiesen sind, dass sich uns jemand zuwendet. Denn wir sehen überdeutlich, was uns fehlt und was sonst so selbstverständlich ist. Wir dürfen nicht mehr einander die Hand geben. Es ist eine alltägliche Geste, aber sie stellt doch eine Verbindung zwischen zwei Menschen her. Und wir sehen hinter den Masken das Gesicht nicht mehr richtig und müssen schon ganz genau hinschauen, ob unser Gegenüber uns freundlich zulächelt oder nicht. Wie schön klingt da doch "der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir" - mit Maske geht das nicht.

Wir sind darauf angewiesen, dass sich Gott uns zuwendet und begleitet. Im Segen sprechen wir das aus und stellen uns in eine liebevolle Beziehung mit Gott. Wir begegnen ihm und bekommen von ihm zugesprochen, dass er Gutes für uns will. Das ist wichtig in besonderen Situationen - bei der Taufe, bei der Konfirmation, bei der Trauung -, jede Woche im Gottesdienst und genau so im Alltag.

Der Segen, die Begegnung mit Gott, berührt. Eine Frau sagte als sie aus dem Erlebnisraum Taufe herauskam: "Das war so schön, dass man das noch mal zugesprochen bekam, ich bin als neuer Mensch rausgekommen. Ich wünsche mir, dass ich das in den Alltag mitnehmen kann."

Wir können das, wenn wir uns vom Zuspruch Gottes berühren lassen und ihn dann an andere Menschen weitergeben. Jede und jeder kann das und darf das, es gibt viele Wege - ein Lächeln, eine Einladung zum Kaffee, Segensworte wie "Bleib behütet" oder "Gott segne dich", die Hand eines Kranken nehmen...

Bleiben Sie behütet!
Ihr Johannes Neukirch

Statt Gottesdienst am 14.06.2020

14.06.2020 - Erster Sonntag nach Trinitatis

Lesung

Mk 1,16-45, gelesen von Pastor Stefan Krause.

Choral

Lied 128 aus dem Evangelischen Gesangbuch. Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Gruß vom Kirchturm

Erster Sonntag nach Trinitatis
Von Pastor Uwe Siemers-Ziegler

Wie wäre das, wenn wir alles, was wir haben, miteinander teilen?

Wie, alles?

Na, so, dass nichts mehr Dir gehört, sondern uns allen zusammen.

Kommunismus? Oder so wie in der DDR?

Nee, so wie in der Bibel! Und ja. Schon irgendwie Kommunismus.

Du kommst auf Ideen!

Ja, aber so hat das doch wohl mal angefangen, bei den ersten Christen.

Und das steht wo?

In der Apostelgeschichte, gleich an zwei Stellen.

Dass alles allen gemeinsam gehört?

Ja, und jeder kriegt dann, was er braucht.

War das nicht so, dass Jesus Zimmermann war und die Jünger Fischer oder so, und als sie zusammen unterwegs waren, haben sie nicht mehr gearbeitet, sondern sich von Freunden unterstützten lassen, von Sponsoren der Jesusbewegung sozusagen?

So klingt das jedenfalls in den Evangelien.

Und nachher, als Jesus nicht mehr da war?

Da hat man wohl verkauft, was man hat – also die, die zum Beispiel Häuser und Grundstücke besitzen – und das alles in einen Topf geworfen. Gemeinsame Kasse.

Und davon gelebt? Dann ist das aber bald verbraucht, wenn nicht immer neue Gönner gefunden werden, die da mitmachen.

Die Gemeinde ist ja tatsächlich sehr gewachsen.

Und da gab es keinen Stress zwischen denen, die ihr Vermögen eingebracht haben und denen, die vorher nichts hatten?

Kann schon sein, dass das nicht immer 100 %ig geklappt hat, da sollen auch einige versucht haben, was für sich zu behalten.

Siehste!

Wie, siehste?

So sind die Menschen eben. Und irgendwann findest Du dann nicht mehr genug Reiche, die für alle aufkommen können oder wollen. Da ist das doch besser, die Gelder gleich ordentlich anzulegen, zu investieren, auf die Eigeninitiative der Leute zu setzen.

Weil für alle gesorgt ist, wenn jeder für sich sorgt?

Komm, mach jetzt keine Sprüche!

Ich meine ja auch nur, dass es ja so gekommen ist wie Du sagst. Von diesem Kommunismus der ersten Christen ist ja nicht mehr viel zu sehen. Und die Kirche hat es bald sehr gut verstanden, mit den Mitteln der Gläubigen erfolgreich zu wirtschaften und zu verdienen.

Und damit doch auch viel Gutes bewegt, oder?

Und damit auch viel Gutes bewegt, aber es ist auch so einiges übriggeblieben.

So, und?

Ich wollte ja eigentlich nur von Dir wissen, wie Du das findest, wenn wir alles teilen.

Das funktioniert doch nicht. Stell Dir doch nur mal unsere Gemeinde vor.

Das macht mir ja gerade Mut. Guck mal, alle bezahlen Kirchensteuer, viele spenden regelmäßig…

Ja, das ist beeindruckend. Aber alles teilen ist schon noch was anderes, oder?

Ein Theologe hat mal gesagt, die Gütergemeinschaft sei vom Menschen aus betrachtet ebenso möglich oder unmöglich wie Gottes Menschwerdung. Wer an Jesus Christus glaube, könne die Gütergemeinschaft nicht ablehnen.

Den Glauben möchte ich haben! Aber ein schöner Gedanke!

Du, mir ist schon klar, dass wir von solchen Einsichten weit weg sind. Aber es ärgert mich einfach, wenn in unserer Zeit zwar vom Teilen geredet wird, aber das mit der Gleichmäßigkeit oft so gar nicht hinkommt…

Wenn alle sich einig sind, dass zum Beispiel Pflegekräfte viel besser bezahlt werden müssten, aber dann passiert doch nichts?

Oder wenn großen Firmen, die in der Vergangenheit nicht schlecht verdient haben, jetzt in der Krise Milliarden zur Verfügung gestellt werden, damit sie über die Runden kommen.

So läuft das nun mal. Und alle glauben, das geht nicht anders.

Aber die Idee ist doch wenigstens in der Welt.

Die mit dem Teilen?

Die mit dem Teilen, wie bei den ersten Christen und überhaupt!

Und Du meinst?

Damals haben ja die Apostel den gemeinsamen Haushalt verwaltet, und mit ihnen wurde geklärt, wie das mit dem Teilen gehen soll.

Ja?

Können wir das jetzt nicht auch mal klären mit denen, die da jetzt die Verantwortung haben?

Predigttext für den 1. Sonntag nach Trinitatis

Die ganze Gemeinde war ein Herz und eine Seele. Keiner betrachtete etwas von seinem Besitz als sein persönliches Eigentum. Sondern alles, was sie hatten, gehörte ihnen gemeinsam. Mit großer Kraft traten die Apostel als Zeugen dafür auf, dass Jesus, der Herr, auferstanden war. Die ganze Gnade Gottes ruhte auf der Gemeinde. Keiner von ihnen musste Not leiden. Wer Grundstücke oder Gebäude besaß, verkaufte diese und stellte den Erlös zur Verfügung. Er legte das Geld den Aposteln zu Füßen. Davon erhielt jeder Bedürftige so viel, wie er brauchte.

Apostelgeschichte 4, 32-35, siehe auch Apostelgeschichte 2, 42-47

Herzliche Grüße
Ihr Pastor Uwe Siemers-Ziegler

Statt Gottesdienst am 21.06.2020

21.06.2020 - Zweiter Sonntag nach Trinitatis

Lesung

Mk 2, 1-28, gelesen von Pastor Stefan Krause.

Choral

Lied 140 aus dem Evangelischen Gesangbuch. Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Gruß vom Kirchturm

pixabay

Zweiter Sonntag nach Trinitatis

Von Sonja Welzel aus dem KV in Davenstedt

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich Ihnen!

Für diesen Groß vom Kirchturm habe ich für Sie eine Geschichte heraus gesucht. Der Verfasser ist leider unbekannt.

„Die Frösche entschieden, einen Wettlauf zu veranstalten. Um es besonders schwierig zu machen, legten sie als Ziel fest, auf den höchsten Punkt eines großen Turms zu gelangen. Viele Frösche versammelten sich, um dem Spektakel zuzuschauen. Keiner der zuschauenden Frösche glaubte jedoch, dass es auch nur ein einziger bis ganz nach oben schaffen würde. Statt die Läufer anzufeuern, riefen sie: „Oh je, die Armen! Sie werden es nie schaffen!“. Es schien, als sollten sie Recht behalten, denn nach und nach gaben immer mehr Frösche auf.

Das Publikum schrie immer wieder: „Oh je, die Armen! Sie werden es nie schaffen!“. Bald hatten alle aufgegeben - bis auf einen, der unverdrossen weiter kletterte. Die Zuschauer waren vollkommen verdattert. Einige näherten sich ihm, um zu fragen, wie er es geschafft hätte, den Wettlauf zu gewinnen. Da erst bemerkten sie , dass dieser Frosch taub war.“

Wie erstaunt müssen diese Frösche gewesen sein, als sie die Taubheit des Siegers bemerkten. Damit konnte nun wirklich niemand rechnen. Schließlich sind sie ja davon ausgegangen, auch ihn mit ihren negativen Rufen zu erreichen. Wozu sollten sie sich sonst die Mühe gemacht haben?

Wenn ich aber diese Geschichte in unser Leben und unseren Alltag übertrage, was für Frösche sind wir dann? Gehen wir auch voll motiviert bei einem Wettrennen an den Start und lassen uns dann ganz schnell davon überzeugen, es eh nicht zu schaffen und geben dann gleich auf? Oder sind wir die Frösche, die am Rand stehen und immer rufen: „Oh je, die Armen! Sie werden es nie schaffen!“? So oder so kommen diese Frösche in der Geschichte nicht gut weg. Denn gleich aufzugeben oder andere mit der eigenen Negativität aus dem Konzept zu bringen, ist nicht so glücklich.

Tatsächlich ist es doch so, das wir immer auch auf die Reaktion anderer angewiesen sind. Schnell lassen wir uns beeinflussen und orientieren uns an unseren Mitmenschen. Im Positiven, wie im Negativen.

Wenn wir am Ende unserer Kräfte und Möglichkeiten sind und jemand sagt uns: „Komm, mach weiter! Du schaffst das!“, dann können wir auch noch den letzten Rest unserer Kraft mobilisieren. Wenn uns dann noch jemand auf diesem Stück des Weges begleitet, dann können wir noch mehr schaffen. Dann ist uns alles möglich.

So geht es uns auch mit Gott. Für Gott ist alles möglich (Markus 10, 27). Was wir alleine nicht schaffen, ist mit Gottes Hilfe sehr wohl möglich. Mit ihm und den Menschen, die er uns an die Seite stellt, können noch so viele Frösche rufen: „Oh je, die Armen! Sie schaffen es nicht!“. Denn wir wissen es besser. Wir sind der taube Frosch in der Geschichte. Nicht im medizinischen, sondern im übertragenen Sinn. Wir sind taub gegenüber den negativen Zurufen anderer. Wir lassen uns nicht von unserem Weg, das Ziel zu erreichen, abbringen.

Dabei ist es wichtig, das wir, neben Gott, auch die richtigen Menschen an unserer Seite haben. Denn es geht ja nicht einfach nur darum, das uns immer jemand Mut macht, das zu schaffen, was wir wollen. Es geht auch darum, den Weg zum Ziel und die Motivation, dieses Ziel zu erreichen, richtig und vielleicht auch realistisch einzuschätzen. Sich nicht vom negativen Gequake einiger Frösche aus dem Konzept bringen zu lassen, aber auch mit Fingerspitzengefühl oder einer starken Hand den Weg, der uns zum Ziel führen soll, zu begleiten.

Wenn wir neben Gott und unserem Glauben solche Menschen an unserer Seite haben, dann kann kein Weg zu weit, keine Meer zu tief und kein Turm zu hoch sein. Denn alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt (Markus 9, 23).

Schauen Sie sich also die Frösche, die Sie rechts und links Ihres Weges begleiten, genau an. Und wenn es Ihnen möglich ist, dann lassen Sie sich ein Stück Ihres Weges begleiten. Denn gemeinsam ist man weniger alleine und zusammen sind wir viele und schaffen viel mehr, als wir denken.

Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist, dass sie einfach da sind.
Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es ist, sie nur zu sehen.
Manche Menschen wissen nicht,
wie tröstlich ihr gütiges Lächeln wirkt.
Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer wir ohne sie wären.
Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk des Himmels sind.
Sie wüssten es,
würden wir es ihnen sagen.
(Paul Celan)

Ich wünsche Ihnen neben Gottes reichem Segen und seiner Kraft und Stärke, die Sie durch Ihr Leben tragen soll, auch Mensch an Ihrer Seite, die in genau den richtigen Tönen quaken.

Statt Gottesdienst am 28.06.2020

28.06.2020 - Dritter Sonntag nach Trinitatis

Lesung

Mk 3, 1-35, gelesen von Pastor Stefan Krause.

Orgelspiel

EG 63, EG 361, EG 430, GL 418, gespielt von Sönke Kraft.

Gruß vom Kirchturm

Dritter Sonntag nach Trinitatis

Von Pastor Stefan Krause

„Gott ist schön“ ist der Titel eines Buches von Navid Kermani, in dem er die ästhetische Seite seiner Religion beschreibt. Er ist Kölner, seine Großeltern leb(t?)en in Persien in der Stadt Isfahan. In dem Buch geht es natürlich um Erfahrung der Schönheit Gottes im Islam, namentlich im Koran - ein Bereich, der mir mangels entsprechender Sprachkenntnisse verschlossen ist.

Im ersten Absatz des Buches erfährt man folgende Geschichte:

„Der größte unter den Dichtern Arabiens war Labid ibn Rabi’a. Die Blätter mit seinen Gedichten hingen, als Zeichen seines Triumphs, an den Türen der Kaaba. Keiner seiner Dichterkollegen wagte es, die Herausforderung anzunehmen und seine Verse neben die Labids zu hängen. Eines Tages jedoch näherten sich einige Anhänger Mohammeds, der unter den heidnischen Arabern jener Zeit als obskurer Zaubermann und geistesgestörter Poet verschrien war. Sie befestigten ein Stück der zweiten Sure des Koran am Tor und forderten Labid auf, es vorzutragen. Der Dichterkönig lachte ob dieser Anmaßung auf. Mehr aus Zeitvertreib oder vielleicht auch aus Spott ließ er sich darauf ein, die Verse zu rezitieren. Überwältigt von ihrer Schönheit bekannte er sich an Ort und Stelle zum Islam.“*

Die Geschichte mag uns Christen verwunderlich erscheinen. Gilt uns Schönheit doch eher als äußerlich und wenig aussagekräftig. „Außen Hui innen Pfui“ sagt bei uns der Volksmund und ein in hartnäckigen Klischees überlieferter Pfarrertyp spricht vom vergänglichen, ja trügerischen Wesen der Schönheit und stellt ihr die inneren Werte entgegen. Wahre Schönheit kommt schließlich von innen, heißt es, und überhaupt neigen wir dazu, Inhalt gegenüber der Form den Vorzug zu geben. Bekehrungen zum Christenglauben jedenfalls, die ihre Ursache darin hat, dass jemand die Texte der Bibel besonders schön vortragen kann, gibt es m. W. nicht.

Berührungspunkte zwischen Christentum und Islam gibt es in puncto Schönheit vermutlich vor allem in der Kunst - Kalligraphie, Miniatur Architektur. So unterschiedlich da die beiden Welten sein mögen - Kenner würden vermutlich immer diverse Berührungspunkte mit der benachbarten Religion finden. Navid Kermani jedenfalls hat sich ausweislich eines anderen seiner Bücher von Kunst aus dem christlichen Kontext berühren lassen. Es heißt „Ungläubiges Staunen“ und handelt von Malerei.

Gott ist schön. Die Heilige Schrift ist schön. … Wir sagen gemeinhin andere Dinge über ihre Texte: Die Bibel hat (doch) recht. Die Bibel irrt. Man muss sie aus ihrer Zeit heraus verstehen. Im Kern geht es in der Bibel um … Das ganze zeitbedingte „Zeug“ kann man streichen. Sie gehört zum Kulturgut. Sie setzt moralische Maßstäbe, an die sich auch Christen selten halten. Was soll man mit den Wundern anfangen? Die 10 Gebote können bleiben, als Richtschnur. Vielleicht sollte man sie aber um ein 11. ergänzen, wegen der Ökologie. Man sollte sie modern übersetzen, sinngemäß. Es geht um ihre Message. Man sollte ihre alten Übersetzungen in Ehren halten. Et cetera.

Ich muss(te) mich aus beruflichen Gründen häufig zu Texten der Heiligen Schrift äußern. Oft sitze ich davor und merke: Ich bin blockiert. Es kommt nichts. Dann schreibe ich mir den ganzen „Interpretationsmüll“ aus dem Kopf. Das sind Dinge, Klischees oft, die so wenig weiterhelfen, wie sie tief sitzen. Manchmal kommt dann etwas Schönes zum Schluss und ich kann z. B. einen „Gruß vom Kirchturm“ verfassen. Ein Beispiel gefällig?

Nach der Verfilmung eines neutestamentlichen Heilungswunders im Verlauf einer Konfirmandenfreizeit entstand folgender Text, der ziemlich genau die Filmszene wiedergibt.

Text auf Text
(für Maren, Thorsten & Markus)

Soll ich dich heilen?
Ja. Kannst du das denn?

Klar. Ist doch ganz einfach:
Kommen, bitten, berühren, ein bisschen Spucke drauf,
ein paar Hauptwörter dazu, und alles verschwimmt.

Du wirst schon sehn.
Auch die Bäume.

Können Sie sich die Szene vorstellen? Der zugrunde liegende Text findet sich im Markusevangelium (Mk 8, 22-26).

Ich wusste immer: Das ist ein starker, ein schöner Markustext. Ein Text, der möchte, dass man mit ihm arbeitet und sich von ihm überraschen lässt. In jugendlicher Unbekümmertheit. Ein Text, der vermutlich nicht möchte, dass man ihn auf eine Katechismuswahrheit verengt.

Gott ist eben unter anderem auch schön.

Und einen schönen Sonntag wünscht Ihnen auch
Ihr Pastor Stefan Krause

* Navid Kermani, Gott ist schön, Das ästhetische Erleben des Koran, München 2007,3

Statt Gottesdienst am 05.07.2020

05.07.2020 - Vierter Sonntag nach Trinitatis

Lesung

Mk 4, gelesen von Pastor Stefan Krause.

Orgelspiel

EG 501, EG 641, gespielt von Sönke Kraft.

Gruß vom Kirchturm

Vierter Sonntag nach Trinitatis
Von Vikarin Sandra Golenia

Mögest du glücklich sein.
Mögest du dich sicher und geborgen fühlen.
Mögest du gesund sein.
Mögest du unbeschwert leben.

Ich sitze auf einer Parkbank und sage in Gedanken diese vier Sätze vor mich hin. Ich richte sie an die Menschen, die an mir vorbeigehen, vorbei-laufen, Fahrrad fahren. Allein oder in Gruppen, mit Abstand oder direkt vor meiner Nase entlang. Ganz egal. Nicht urteilen. Sondern:

Jedem dieser Menschen nur wohlwollend Gutes wünschen. Dabei atme ich ruhig und tief ein und aus. Ich fühle mich leicht. Weit. Glücklich.

Liebe Leser*innen,

wieso das? – fragen Sie sich, fragt ihr Euch vielleicht.

Ich muss zugeben: diese Grundeinstellung ist mir nicht in jeder Lebenslage gegeben. Ich muss nur an meinen letzten Einkauf im Supermarkt denken.

Oder die Fahrt mit der Bahn. Wenn Menschen mir zu nah kommen, sich rücksichtslos oder zumindest unbedacht verhalten. Wenn ich die Zeitung aufschlage und davon lesen muss, wie Tier- und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Und zwar nicht nur im Zusammenhang mit Corona. Es ist ja nicht so, dass auf dieser Welt sonst nur das Gute am Werk ist. Dann merke ich, wie sich alles in mir anspannt. Alles eng wird. Wut staut sich an. Und Gedanken, die ich hier lieber nicht in aller Öffentlichkeit preisgeben möchte.

Doch:

„Niemandem sollt ihr Böses mit Bösem vergelten!
Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn!
Lebt mit allen Menschen in Frieden – soweit das möglich ist und es an euch liegt.
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes.
Denn es steht geschrieben in der Heiligen Schrift: „Mein ist die Rache, ich werde Vergeltung üben, spricht der Herr.“
Im Gegenteil: „Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen. Wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Denn wenn du dies tust, ist es, als ob du glühende Kohlen auf seinem Kopf anhäufst.“
Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse im Guten.“ (Römer 12,17-21)

So schreibt es Paulus im Römerbrief als Leitfaden für gutes Verhalten. Allen Menschen gegenüber. Auch und gerade im Angesicht des Bösen.

Deshalb also mein Experiment auf der Parkbank. Die vier Sätze sind Teil der sogenannten „Metta“-Meditation – übersetzt: „Liebende Güte“-Meditation. Sie beginnt damit, dass ich mir diese Sätze erst einmal selbst zuspreche. Denn Frieden fängt ja bekanntlich bei jeder Einzelnen von uns an.

Ob Frieden ist, ob das Gute in der Welt siegt – dafür kann ich sicher nicht allein sorgen. Und eine positive Einstellung allen Menschen gegenüber reicht sicher nicht aus. Das Böse mit Gutem zu besiegen – das schreit nach Taten. Danach, dass ich mich aktiv für das Gute einsetze. Mich um meine Mitmenschen kümmere, gegen Diskriminierung einschreite,

Aber was wäre das für ein Anfang. Wie sähe die Welt, wie sähe mein Leben aus, wenn ich das verinnerlichen könnte, was ich auf er Parkbank geübt habe.

Allen Menschen gegenüber nur Gutes im Sinn haben. Egal, woher sie kommen. Egal, an was sie glauben. Egal, wie sie mir gegenüber eingestellt sind. Soweit es an mir liegt, läge erst einmal friedliche Grundstimmung in der Luft. Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn sich dieses freie, weite und friedliche Gefühl öfter in mir einstellen würde. Und ich so direkt einen ersten Schritt mache, Frieden mit allen Menschen zu halten. Soweit es möglich ist und an mir liegt.

Also:

Möget ihr glücklich sein und Frieden finden.
Möget ihr frei sein von Leid und den Ursachen von Leid.
Möget ihr erfüllt sein von Freude und den Ursachen von Freude.
Möget ihr leicht und heiter durch euer Leben gehen können.

Gebet

Lieber Gott, ich bitte dich:

Gib mir den Mut, den ersten Schritt zu gehen in Richtung Frieden.
Gib mir Gelassenheit anderen gegenüber. Und friedliche Gedanken.
Gib mir die Kraft, das Gute zu tun. Auch und gerade im Angesicht des Bö-sen.
Und gib mir Vertrauen, dass du mitgehst. Bei allem, was passiert.

Amen

Statt Gottesdienst am 12.07.2020

Gruß vom Kirchturm

Fünfter Sonntag nach Trinitatis
Von Pastor Manuel Kronast, Davenstedt

Von nun an wirst du Menschen fangen!

Sagt Jesus zu Simon, dem Fischer aus Galiläa. Und der packt seine Sachen und geht mit, lässt alles andere zurück, seine Familie, sein Haus, sein Boot (nachzulesen im Predigttext dieses Sonntags: Lukas 5,1-11, Lutherübersetzung 2017). Irgendwann wird Simon zum Petrus, gründet eine Kirche, wird der erste einer langen Reihe von „Menschenfänger*innen”.
Menschenfänger? Das sind doch Leute wie der Rattenfänger von Hameln, der Kinder in einen Berg lockt, wo sie nie wieder herauskommen.
Das sind Populisten und Sektenführer, die mit Psychotricks Menschen einfangen, die dann willenlos tun, was sie gar nicht wollen.

So ist Kirche doch nicht! Manche würden vielleicht sagen: Doch, genau so ist Kirche. Andere: So muss Kirche wieder viel mehr sein, sonst nimmt das kein Ende mit den abnehmenden Mitgliederzahlen.
In etlichen Bibelübersetzungen steht hier nicht „du wirst Menschen fangen”, sondern „du wirst Menschenfischer sein”. Das passt auch so schön zu dem Fischer Simon, der kurz davor einen Rekordfischfang einfährt.
Aber wenn ich mir diesen Riesenhaufen Fische vorstelle, der am Ufer vor sich hinmüffelt: Das ist irgendwie auch nicht mein Bild von Kirche ...

Wenn wir es genau nehmen mit dem griechischen Text, dann steht an dieser Stelle gar nichts von „fischen”. Die Menschen werden auch nicht einfach nur „gefangen’, wie zuvor die Massen von Fischen.
Wörtlich übersetzt heißt es: „Du wirst einer sein, der Menschen lebendig fängt.” Das griechische Wort dazu gibt es im Neuen Testament genau zwei Mal.
Es geht eben nicht einfach darum, statt Fische nun Menschen mit Netzen ans tödliche Ufer zu ziehen. Simon soll etwas ganz Neues wagen, es wird Menschen Leben ermöglichen.
Zum Glück schildert Lukas in seinem Evangelium und seiner Apostelgeschichte ausführlich, wie das Menschenfängerdasein des Petrus aussehen wird.
Zunächst einmal bekommt Simon den Job nicht deshalb, weil er Jesus im Bewerbungsgespräch von seiner Kompetenz und Performanz überzeugt.
Jesus nimmt ihn mit, obwohl und weil Simon kalte Füße bekommt. Der junge Fischer ahnt, dass Gott Großes mit ihm vorhat, auf das er nicht vorbereitet ist. Er hat Angst zu versagen. Offensichtlich sind nur die als christliche „Menschenfänger*innen” geeignet, die ihre eigenen Grenzen kennen. Jesus entgegnet: „Fürchte dich nicht!”

Damit beginnt Simons Ausbildung zum „Menschenfänger”. Er besucht keine Seminare zu Manipulationstechniken, sondern läuft erst einmal einfach mit. Er beobachtet, wie Jesus mit Menschen umgeht und zieht seine Schlüsse daraus, richtige wie falsche.
Simon wird Klassensprecher, Bodyguard, Caterer, Chauffeur, ...
Gelegentlich schickt Jesus ihn und die anderen Jünger*innen aus, um Dämonen auszutreiben und zu heilen. Das gelingt mal besser, mal gar nicht. Manchmal schließen sich ihnen neue Jünger*innen an, oft nicht. Sie betreiben nicht Organisationsentwicklung, sondern Menschenliebe.
In den dunkelsten Stunden, als Jesus verurteilt und dann ans Kreuz gehängt wird, gelangt Simon gnadenlos an seine Grenzen. Er versagt als Jünger und als Freund. Und trotzdem gibt Jesus ihn nicht auf.

Dann stellt sich heraus, dass Jesus erstens auferstanden ist und zweitens nicht bleiben kann. Nun schlägt die Stunde des Petrus.
Er wird vom Heiligen Geist ergriffen, predigt vor Tausenden, heilt und tauft, leitet die erste Gemeinde. Jetzt ist doch Organisationsentwicklung angesagt, aber nicht als Selbstzweck.
Zahllose Menschen lassen sich taufen. Nicht durch Zwang oder aus Gewohnheit, sondern weil sie zu einer Gemeinschaft gehören wollen, die Leben ermöglicht.
Petrus und die anderen sind dort, wo sie gebraucht werden, erzählen von Jesus, dem Brot des Lebens, bauen eine Kirche, die für andere da ist – und das ist schon das ganze Menschenfängerhandwerk.

Heute, Jahrhunderte später: Die Kirchen verlieren Mitglieder. Das tut weh. Aber sie waren nicht deshalb so mitgliederstark, weil sie bessere Arbeit gemacht hätten, sondern weil Kirchenmitgliedschaft gesellschaftlich vorgegeben war.
Vielleicht ist die richtige Antwort deshalb gar nicht, die Zahlen mit Macht stabilisieren zu wollen, sondern einfach den alten Auftrag immer wieder auf neue Weise zu erfüllen.
Da sein, wo wir gebraucht werden, vom Brot des Lebens erzählen und es weitergeben und an Gemeinden bauen, die für andere da sind.
Und sich nicht fürchten ...

Eine gesegnete Woche wünscht
Manuel Kronast

Gebet

Gott,

du rufst immer wieder hinaus aus dem Alltag
oder hinein in den Alltag.
Lass uns spüren, welche Aufgaben auf uns warten,
welche Kräfte wir haben, wie unser Weg weitergehen kann.
Gib uns die Geduld durchzuhalten
oder den Mut aufzubrechen.
Mache uns zu Menschen, die anderen nachgehen,
Verunsicherte begleiten,
Mutlose aufrichten,
Unvorsichtige zurückhalten,
Traurige zum Lachen bringen,
Ungelebtes zum Leben ermuntern.
Durch deinen Sohn Jesus Christus, das Brot des Lebens.

Amen

Abendlieder

Jeden Abend um 18 Uhr läuten in Ahlem die Glocken. Sie läuten den Tag aus und den Abend, die spätere Nacht ein. Vielleicht hören Sie sie in diesen Tagen deutlicher. Vielleicht wirken sie anders auf Sie. Vielleicht sogar heimatlich …

Sie wollen auch zum Gebet einladen. Wer sich darin üben möchte, findet hier ein Abendgebet. Man kann es sprechen, allein oder zusammen, lauter oder leiser. Man kann es auch einfach nur lesen. Man kann es auch ändern. Man kann auch ganz eigene Worte finden.

Möchten Sie noch ein schönes Abendlied hören, klicken Sie auf den Abspiel-Button.
Gesungen und gespielt von Birgit und Castor Landvogt.

Der Mond ist aufgegangen (EG 482)

Nun sich der Tag geendet hat (EG 478)

Mein schönste Zier und Kleinod bist (EG 473)


Postanschrift: Martin-Luther-Kirche Ahlem, Wunstorfer Landstraße 50b, 30453 Hannover

Gemeindebüro: Telefon: 0511 48 02 69, Fax: 0511 48 07 98, E-Mail: info@martin-luther-ahlem.de, Öffnungszeiten: Di., 16-18 Uhr, Do., 10-12 Uhr

Spendenkonto: Evangelische Bank eG: Stadtkirchenkasse, IBAN: DE38 5206 0410 0006 6047 30. Bitte verwenden Sie unbedingt folgenden Verwendungszweck: 0711 Martin-Luther Ahlem Spende - (ggf. Spendenzweck) - Ihr Name

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