Auf ein Wort

Zeit

Was machen wir überhaupt mit unserer Zeit? Ist es nicht eher so, dass wir von einem Termin zum anderen hetzten und nie Zeit haben? Vergeht die Zeit deswegen so schnell?

Wir haben keine Zeit, um zu spielen, für die Enkelkinder, um zu beten oder um anderen zu helfen. Wir haben keine Zeit. Schade. Denn weil wir fast schon ein schlechtes Gewissen haben müssen, weil wir mal nichts tun, verpassen wir eine ganze Menge. Schließlich dürfen wir ja keine Zeit vergeuden, sondern müssen zusehen, dass unser Zeitmanagement stimmt. Damit auch bloß alles unter einen Hut gebracht wird und wir nichts vergessenen und nichts verpassen. So suggeriert es uns jedenfalls die Gesellschaft. Dabei tun wir ja nicht nichts, wenn wir mal nichts tun. Wir sind vielleicht nur gerade mit ausruhen, in den Garten schauen, Musik hören oder einfach mit den eigenen Gedanken und Gefühlen beschäftigt.

Unsere Zeit ist wertvoll. Sie ist endlich und nicht unerschöpflich. Wie viel Zeit wir haben, weiß niemand. Warum sagen wir dann selbst immer von uns, dass wir keine Zeit haben? Haben wir vielleicht Zeit, aber einfach keine Lust, etwas zu tun? Ist keine Zeit haben, die ultimative Entschuldigung? Wie oft kommt es vor, dass wir zu jemandem sagen, dass wir keine Zeit haben um dieses oder jenes zu tun, obwohl wir in Wahrheit zwar Zeit haben aber diese Dinge nicht tun wollen?

Stellen Sie sich einmal vor, wir würden uns jeden Tag Zeit nehmen, um nichts zu tun. Würden wir dann wirklich weniger schaffen als sonst? Oder wären wir vielleicht einfach nur ein bisschen entspannter? Wenn wir uns mal Zeit nehmen würden, um unsere Umwelt wahrzunehmen. Um Begegnungen stattfinden zu lassen, sich überraschen zu lassen. Denn nur weil wir einem Straßenmusiker zuhören, einem Obdachlosen ein Lächeln und vielleicht einen Euro schenken, einer Mutter mit Kinderwagen aus der Bahn helfen oder vielleicht nur jemanden an der Kasse vorlassen, verschenken wir keine Zeit im negativen Sinne sondern ganz allein im positiven.

Sich Zeit zu nehmen ist somit auch eine Form von Wertschätzung. Lassen sie uns die Zeit also als ein Geschenk betrachten, das wir teilen können, aber auch für uns behalten können. Auf jeden Fall sollten wir wie bei jedem Geschenk darauf achten, wem wir was schenken und wen wir bedenken wollen. Verschenken wir also die Zeit an uns, unsere Familie und unsere Freunde, unsere Kollegen und an die Vereine und Organisationen, wo wir uns engagieren. Verschenken wir unsere Zeit auch an Gott und seine Kirche und sehen, dass die Zeit wirklich ein Geschenk ist. Denn wo wir sie verschenken, bekommen wir immer auch etwas davon zurück.

Sonja Welzel