Okt. 2016 - Seniorenfahrt

Zwischen Barock und Rosenkranz

3.-7. Oktober 2016

Eine Seniorenfahrt unserer evangelischen Gemeinde in den Bischofssitz der Diözese Würzburg der Römisch-Katholischen Kirche.

„Wie sind denn die Glaubensgemeinschaften in Würzburg aufgeteilt?“ fragt eine Teilnehmerin unserer Seniorenfahrt. „Überwiegend katholisch, ein Viertel konfessionslos, ein Fünftel evangelisch“, sagt der gefragte Gästeführer auf Festung Marienberg, und ergänzt noch schnell: „Die ohne Religion sind uns lieber, als die Evangelischen.“ Betretenes Schweigen, aber auch herzhaftes Lachen. Nein, das meint er nicht ernst.

Wir sind mit 40 Damen und Herren nach Würzburg gereist. Schon während der Vorbereitungen zu dieser Fahrt hat Pastor Krause ökumenische Verbundenheit erfahren, als uns der katholische Pfarrer von St. Gertraud seine Pfarrkirche nicht nur für unsere Abendandacht anbot, sondern auch die Teilnahme am Rosenkranz-Beten und an einem katholischen Gottesdienst.

Würzburg hat 46 katholische Kirchen und 14 evangelische. Die Stadt wurde 741/742 Sitz eines Bistums, das sich bald auch ein weltliches Herrschaftsgebiet schaffen konnte: Das Hochstift Würzburg. Oberster Herr dieses Territoriums war der Fürstbischof. Die Reformation konnte im Bistum zunächst Fuß fassen, sie wurde später vor allem durch die Gegenreformation ab 1586 stark zurückgedrängt. Die Anhänger des Luthertums wurden aus der Stadt verbannt. Während der schwedischen Besatzung im Dreißigjährigen Krieg konnten die Protestanten vorübergehend wieder Fuß fassen. 1633 wurde ihnen die Benutzung des Würzburger Doms für ein (!) Jahr erlaubt. Erst das bayerische Religionsedikt von 1803 brachte eine Gleichbehandlung beider Konfessionen.

Die evangelische Kirche St. Stephan liegt etwa 2 Kilometer von unserer Unterkunft entfernt. In unmittelbarer Nähe, nur 300 Meter und somit viel näher, die katholische Pfarrkirche St. Gertraud.

Die Reise führte uns durch Bad Hersfeld. Im Zentrum steht die Stadtkirche, die den Zusatz „evangelische“ in ihrem Namen führt. Die Rückfahrt unterbrachen wir in Rotenburg an der Fulda. Dort besichtigten wir St. Jakobi, oder auch Jakobikirche genannt. Ebenfalls eine evangelische Kirche.

Befinden wir uns hier in Würzburg im konfessionellen Ausland? Jein! Natürlich wird der katholische Glaube intensiv gepflegt. Natürlich sind die Kirchen beeindruckend und ziehen Jahr ums Jahr neben Residenz, Festung Marienberg und den anderen imposanten Bauwerken einschließlich beeindruckender Brücken tausende Besucher an.

Kirche ist aber auch die Gemeinschaft der Christen, einer Gruppe mit gemeinsamem Glauben. Der wiederum besteht ganz wesentlich aus der Erinnerung und der Bereitschaft, sich zu erinnern. Nicht nur an die Geschehnisse des Alten und Neuen Testamentes, sondern auch an die Zeit, die bis heute dazwischen lag.

Auch das besuchte Schloss Veitshöchheim mit seinem wunderschönen Rokokogarten hilft uns zu erinnern und die Gemeinsamkeit zu pflegen. Sei es bei Besichtigungen, Stadtführungen, Wanderungen, oder einer entspannten Flussfahrt bei schönem Wetter. So haben wir erlebt, dass Wein und Bier, bayerisch und fränkisch, evangelisch und katholisch, kein Gegensatz sein muss.

Gerd Kasten