Mal wieder über den Zaun geguckt

Mal wieder über den Zaun geguckt...

Besuch in den Partnergemeinden Chegato und Danga in Zimbabwe

Es ist immer noch alles da: Der Stausee mit dem Krokodil, die Kornmühle, der Mangobaum, der Felsen, der aussieht wie ein Affenkopf. Die staubige Straße bei Tag und der erstaunliche Sternenhimmel bei Nacht.

Aber es hat sich so manches geändert, seit vor vier Jahren zum letzten Mal eine Gruppe aus unseren Gemeinden im Westen Hannovers in Chegato in Zimbabwe war.
Die Straßen sind noch schlechter geworden – aber es fahren wieder Autos und Busse.
Die Zahl der Menschen, die mit Aids zu tun haben, ist noch nicht gesunken – aber es gibt Medikamente, die den Erkrankten ermöglichen zu leben.
In den Schulen fehlt es an vielem – aber es wird unterrichtet, weil die Lehrer nicht mehr versuchen müssen, im Ausland Geld zum Überleben zu verdienen.
Chegato und Danga liegen immer noch weit weg von jeder größeren Ortschaft – aber es gibt jetzt Mobilfunknetze, die funktionieren: Verbindung mit dem Rest der Welt.
Es gibt Strom und meistens Wasser.
Es gibt zu essen.

Das Leben ist sehr teuer geworden – aber wenigstens kann man etwas kaufen. Das war vor vier Jahren anders. Da waren die Regale in den Läden leer. Jetzt ist die eigene Währung, die zuletzt wertlos war, abgeschafft. Es wird mit amerikanischen Dollar bezahlt oder mit südafrikanischen Rand. Benzin kostet umgerechnet mehr als einen Euro pro Liter bei monatlichen Einkommen unter 250 Euro – aber es gibt wenigstens Treibstoff.

Die Menschen sind optimistischer. Zimbabwe scheint auf dem Weg zu ein bisschen mehr Normalität zu sein.

Zu acht waren wir im Sommer zu Besuch bei den Partnern, freundschaftlich empfangen, ganz toll versorgt und engagiert begleitet. Haben die beeindruckende Landschaft bewundert, Nashörner, Flusspferde und Affen gesehen – und natürlich das Krokodil. Haben Great Zimbabwe besucht, die Ruinen der geheimnisvollen alten Königsstadt. Aber vor allem waren wir in Chegato und Danga.

Seit Beginn der Partnerschaft ist Wasser ein Thema. Eins der großen Projekte war der Staudamm in Chegato, in den 90er Jahren gebaut: Wasser vor allem für über 130 Gemüsegärten. Jetzt waren zwei junge Ingenieure Teil unserer Delegation, die zusammen mit den afrikanischen Partnern untersuchten, wie man die Wasserversorgung in Chegato und Danga wieder instand setzen und verbessern kann: Ein Projekt für die Zukunft.

Wir waren in Schulen eingeladen und haben gesehen, wie mit sehr einfachen Mitteln beeindruckend Unterricht gestaltet wird – und wir hoffen, dass es gelingt, den Austausch zwischen einer Grundschule dort und einer hier weiter auszubauen.

Wir konnten Krankenhäuser besuchen, in Chegato und an anderen Orten, und bekamen einen Eindruck, wie schwierig die gesundheitliche Versorgung dort ist, nicht nur wegen Aids. Der nächste Arzt ist zwei Autostunden entfernt, es fehlt an Medikamenten, aber die Krankenschwestern tun, was sie können.

Vor allem aber trafen wir die Leute: in den Kirchen, in den Häusern, auf den Wegen.
Und immer gab es viel zu erzählen, über das Leben hier und da.

Vor zwei Jahren wurde die alte Kirchengemeinde Chegato geteilt. Zu groß das Gebiet, zu weit die Wege, und viele neue Mitglieder. Jetzt sind beide neuen Gemeinden unsere Partner: Chegato mit der noch von den Schweden vor über 50 Jahren gebauten Kirche, und Danga, zehn Kilometer östlich, mit einer neuen Kapelle. Deren Baubeginn war 1998: ein weiteres Projekt der Partnerschaft. Wegen der katastrophalen wirtschaftlichen Lage im Land wurde die Kapelle erst jetzt fertig. Am 31. Juli war Einweihung: Der Bischof kam, viele Würdenträger, die Kapelle brechend voll - ein großes Fest, mit Gottesdienst, Essen und Singen und Tanzen und allem, was dazu gehört. Und wir konnten auch dabei sein: Schluss- und Höhepunkt unseres Besuches.

Wir hatten viele bewegende Erlebnisse; Erfahrungen, die Spuren hinterlassen haben.
Jetzt zuhause das Gefühl: Gut, mal wieder über den Zaun geguckt zu haben, über den Horizont unserer Kirchtürme.

Nicht ausgeschlossen, dass man nun auch hier manches anders, manches schärfer sieht.