August 2017 - Besuch aus Chegato

Wir hatten Besuch

Vom 2. bis zum 21. August war eine Delegation aus unseren Partnergemeinden Chegato und Danga aus Zimbabwe im Süden Afrikas in Hannover. Drei Frauen und fünf Männer. Der Leiter der Gruppe, Eddington Ndlovu, kennt Hannover von Besuchen 1996 und 2000, alle anderen waren das erste Mal in Deutschland.

Für die Gäste ist unser Besuch in Wittenberg ganz wichtig: Diese Stadt, die voll ist von Spuren Martin Luthers. Sein Haus. Die Kirche, in der er gepredigt hat. Die Tafel mit den 95 Thesen. In der Schlosskirche ist das Grab des Reformators. Da versammeln sich die Afrikaner andächtig, singen in ihrer Sprache Shona „Ein feste Burg ist unser Gott“: She, gomo redu ndiimi...

Beeindruckend die Reise an die See: Emden, Unterkunft in der Seemannsmission mit ihrer besonderen Atmosphäre; Borkum, Ebbe und Flut. Das Meer sehen!

Was haben wir alles besucht in unserer Stadt: Das Neue Rathaus, die Marktkirche und ihren Turm, das Stadion. Landeskirchenamt. Bethlehemkirche, das Rathaus in Linden, Lindener Geschichten. Staunen über See und Wald mitten in der Stadt, über die Möglichkeiten der Abfallverwertung auf der Deponie in Altwarmbüchen, über die moderne Landwirtschaft auf einem Hof in Kohlenfeld: Kühe, die selbst entscheiden, wann sie den Melkautomaten aufsuchen.

Unser Essen: Für die Afrikaner oft gewöhnungsbedürftig, aber interessant. Unsere Sitten: Sehr anders.

Gottesdienste haben wir gefeiert, sonntags natürlich, da haben die afrikanischen Pastoren gepredigt, Schulanfängergottesdienst, Andachten, eine Trauerfeier: Unseren Glauben geteilt, geachtet auf die unterschiedliche Art, als Christen zu leben. Viel Freude an Musik, beim Gospelchor in Davenstedt genauso wie bei einem Besuch in Hamburg.

Ein volles Programm.

Die Besucher sind privat untergebracht, für Gäste und Gastgeber eine spannende, intensive Zeit. Es entsteht schnell Nähe, man lernt sich kennen und schätzen, spürt, dass diese Partnerschaft eine gute Sache ist.

Wahlen stehen bevor, in beiden Ländern. In Zimbabwe gibt es Aufregung, weil der Vizepräsident möglicherweise vergiftet worden ist, in Niedersachsen verliert die Regierung ihre Mehrheit, weil eine Abgeordnete die Partei wechselt: Die politischen Herausforderungen sind nicht vergleichbar. Aber es gibt so manches zu besprechen, unter Partnern.

Über dreißig Jahre gibt es die Partnerschaft. Immer noch ist vieles fremd, aber jede Begegnung bringt die Zusammenarbeit voran. Wir haben schon einen guten Weg zurückgelegt, gemeinsam an vielen Dingen gearbeitet. Neue Vorhaben werden jetzt untersucht, da geht es z. B. um die Verbesserung der Wasser- und Stromversorgung. Laufende Projekte sollen fortgesetzt werden, vor allem die Unterstützung von AIDS-Waisen mit Schulgeld.

Nach knapp drei Wochen ist die Gruppe zurückgeflogen. In zwei Jahren besuchen wir sie. Das ist der Plan.

Was bleibt?

Natürlich die Frage, ob sich das alles lohnt. Ob das noch zeitgemäß ist, noch auf Interesse hier und dort stößt, so eine Partnerschaft. Das muss man immer wieder besprechen.

Wir haben auf jeden Fall viel Neues - oder Altes neu - miteinander entdeckt. Versucht, die eigene Welt mit den Augen der anderen zu sehen, und uns dabei über manches gewundert. Auch manches, was uns eigentlich nicht gefällt, so doch schätzen gelernt.

Es bleiben so viele Eindrücke, auf beiden Seiten. Neues Interesse an der Partnerschaft bei vielen, die auf die eine oder andere Weise dabei waren.

Vielleicht sogar Freundschaft? Man wird sehen.

Uwe Siemers-Ziegler