19.02.2012 - Abschied v. Spätaufstehergottesdienst

Ein jegliches hat seine Zeit …

Gedanken zum letzten Gottesdienst (nicht nur) für Spätaufsteher am 19. Februar 2012

„Sing mit mir ein Halleluja – sing mit mir ein Dankeschön ...“

Diese Zeile aus einem der Lieder beim ultimativ letzten Spätaufsteher-Gottesdienst war so passend, als wäre sie extra für diesen Anlass entstanden. Nur reicht mir dieses einmal gesungene Dankeschön nicht aus! Laut und vernehmlich möchte ich auf diesem Wege nochmals DANKE sagen (und ich denke, das tue ich auch im Namen vieler anderer Gemeindemitglieder!).

Als ich vor mehr als 5 Jahren endlich wieder aktiv am Gemeindeleben teilnehmen konnte, war ich besonders vom Spätaufsteher-Gottesdienst sofort begeistert: Frisch, offen, unkonventionell, mit schönen „neuen“ Liedern (zu Gitarren- und Flötenbegleitung), mit ganz persönlichen Ansprachen und Denkanstößen der Vortragenden, im Halbkreis um den Altar sitzend und wie der Name schon sagt, zu einer Zeit, bei der niemand sagen konnte „zur Kirche? Och nö, das ist mir zu früh!“

Ich habe diesen 'anderen' Gottesdienst, den „Spätaufsteher“, immer als etwas Besonderes erlebt und werde mich sicher noch oft und gern daran erinnern! Die Gründe für das Ende dieser Gottesdienstform (Wegzug der Initiatoren, Zeitmangel, private und berufliche Belastungen usw.) sind absolut verständlich und nachvollziehbar – aber eben auch betrüblich. Und Abschiede fallen bekanntlich dann besonders schwer, wenn es gilt, lieb Gewordenes aufgeben zu müssen.

So war denn auch dieser letzte Spätaufsteher-Gottesdienst eine zwar wunderschöne, aber auch hoch emotionale Angelegenheit, die noch lange nachklingen wird: Ein herausfordernder Predigttext (Amos 5, 21-24), gemeinsames Abendmahl, Bekenntnis und Gebete ergaben den stimmigen Rahmen (im bis zur letzten Reihe voll besetzten Gemeindesaal). Aber so richtig „an die Nieren“ gingen die wundervollen Lieder: Liebevoll ausgewählt, 100% zu diesem Anlass - nicht nur passend, sondern auch verbindend! Und zwar ganz wörtlich, als nämlich die ganze Gemeinde durch „Hand-an-Hand-fassen“ die Reihen schloss und miteinander verband … Nicht nur ich hatte immer wieder mit Stimmverlust und 'Hochwasser in den Augen' zu kämpfen.

Mit dem abschließend erteilten Segen – erst auf Hebräisch, dann auf Deutsch – endete dieser tief bewegende Gottesdienst – Das letzte Mal in dieser Form! An dieser Stelle sage ich nochmals danke – der Vorbereitungsgruppe, Herrn Pastor Kronast und ALLEN jemals Beteiligten, die in mehr als 20 Jahren den Spätaufstehergottesdienst zu dieser wunderbaren Tradition gemacht haben, die nun zu Ende gegangen ist … Zum Abschied halte ich mich an den Text des zuletzt gesungenen Liedes: Geh' unter der Gnade, geh mit Gottes Segen … Passendere Worte als in diesen drei Strophen kann es kaum geben!

Zuletzt darf aber auch ein Dankeschön an all die fleißigen Helferhände nicht fehlen, die dafür gesorgt hatten, dass nach diesem Abschiedsgottesdienst noch lange Gelegenheit bestand, beieinander zu bleiben, gemeinsam zu essen, zu reden, sowie Erinnerungen und Gedanken auszutauschen.Wie gesagt: Ein Tag, der noch lange nachklingen wird …
Gudrun Pohlmeyer